Eines Tages wurde der Schmied krank. Sein Atem ging kurz; wenn er jetzt an der Kette des Blasbalges, der vordem so stark gewesen war, zog, merkte ich deutlich, daß dieser keuchte und allmählich von der Krankheit seines Herrn befallen wurde. Sprungweise und ungleich ging nun das Herz des Mannes, und auch der Hammer, den er über dem Amboße schwang, fiel verstört auf das Eisen nieder. Und im gleichen Maße, wie das Licht in den Menschenaugen abnahm, leuchtete auch das Feuer in der Esse weniger und weniger. Abends flackerte sie dann noch weiter, und an den Wänden und der Decke erblich lange das Zucken ihres Vergehens.

Eines Tages fühlte der Schmied bei der Arbeit seine Hände und Füße kalt werden, und am Abend starb er.

Ich betrat die Schmiede; sie war kalt wie ein Körper ohne Leben. Ein bißchen Glut nur fand ich im Kamine als eine armselige Totenwache neben dem Sterbebette glimmen, an dem zwei Frauen beteten.

Drei Monate nachher kam ich wieder in die verlassene Werkstätte, um an der Schätzung ihrer geringen Einrichtung teilzunehmen. Alles war feucht und schwarz wie in einem Grabe. Das Leder des Blasbalges war angefault und löchrig geworden und löste sich, da jemand an der Kette ziehen wollte, von seinem Holzrahmen los.

Die einfachen Leute, die mit mir die Schätzung vornahmen, erklärten: „Der Amboß und der Hammer haben ausgedient. Sie haben mit ihrem Meister zu leben aufgehört.“

Ich stand erschüttert. Denn ich hörte den geheimen Sinn dieser Worte.

LOB DER STEINE

Strahlende Schwestern der Bergströme, denen ich am Ufer des Alpensees begegnet bin: Steine, Geliebte der Iris und des kalten Azurs, ihr, auf die sich das Salz niederschlägt, das die Lämmer auflecken; ihr Spiegel voll Helle, schillernd wie der Hals der Taube, ihr, die ihr mehr Augen habt als der Pfau! Im großen Feuer seid ihr Kristalle geworden, und eure schneeigen Adern sind ewig, ihr Gefährten der Urzeitfluten; seit Anbeginn hat die Meerflut euch gebadet und gewiegt bis zu der Stunde, in der die Taube aus der Arche voll Liebe aufgurrte, da sie euch erblickte.

Bald ist das leuchtende Korn eures Fleisches blaugeädert weiß wie eine Kinderfaust, bald schimmert es kupfergolden wie die Hüfte einer schönen schwerblütigen Frau; zuweilen blinkt der Glimmer darin silbrig wie eine Wange in der Sonne, dann wieder ist es bräunlich wie die Haut der Frauen, der das goldene Rot der Mandarine und das stumpfe Blond des Tabaks die Farbe gab.

Ihre Steine, aus dem Herzen des Bergstroms gebrochen, gegeneinandergeschmettert, dahingerissen durch den Seidelbast der Schluchten, gepeitscht von den Rauhfrostwettern, von den Lawinen begraben, von der Sonne wieder ans Licht geholt, vom Fuße der Gemse losgebrochen: ihr seid kühl und schön — und ihr seid, über all das hinaus, rein.