Allein sein Herz, betrübt in Heimkehrfreude,

Sehnte sich nach dem Lama, das allein im Weinberg

Des Eilandes zurückgeblieben, das vielleicht gestorben war.

Was aus den Worten und Bildern dieses Buches seit der Kindheit am lebendigsten vor mir steht, das ist nicht die Schönheit der Weinreben, die so tiefen Schatten gaben, noch ist es der Fisch, den er mit einer Schnur und einem Haken daran gefangen hat, nicht die einsame Kokospalme in der blauen Glut des Morgens ist es, noch auch sind es die rosigen und purpurnen Flecken der Meeresküste bei Ebbe, voll des Seegetiers, nicht das gebratene Zicklein, das er mit Salz aus einer Felsmulde gesalzen hat, ist es, was mich so ganz ergriffen hat; auch die Eier der schläfrigen Schildkröten sind es nicht. Noch ist es die Fieberkrankheit, die der Trunk Wassers, darein er Rum getan hatte, allmählich gelindert hat, weder der Papagei ist es, noch die Freundschaft mit dem Hund und der Katze, nicht der verzweifelte Glanz der Sonne, die er auf den Kompaß gemalt hatte, und nicht die Quelle süßen Wassers ist es, es sind auch nicht die Speisen, die er sich so kunstlos bereitet hat (obwohl ich mich gerade ihrer vielleicht am häufigsten erinnert habe!), all das hat mich nicht so erschüttert wie Robinson Crusoes Alter.

Immer wieder muß ich an die Zeit seines Lebens denken, da er wieder in der Menge verschwunden war und dann, zweiundsiebzig Jahre alt geworden, einsamer ist, als er es je zuvor war. In einem Gewande aus blumendurchwirktem Sammet saß er in seinem düsteren kleinen Gemache in London, das eine unendliche Güte gleich dem matten Licht in Sturmwettern erfüllte, und wußte nichts mehr zu erwarten als den Frieden des Todes.

Ich grüße dich, mein Bruder Crusoe! Auch mich haben die Orkane des Lebens auf eine wüste Insel geworfen; und nun, wohin immer ich schaue, gewahre ich nichts mehr als das betäubende und eintönige Wasser. Zuweilen trägt es mir treibende Trümmer zu, die ich dann einen Augenblick lang schweigend betrachte. Bald aber ergreift mich mein Träumen wieder, das nun seinen Frieden gemacht hat mit dem großen Dröhnen des unendlichen Meeres, und manchmal schon findet sich ein Lächeln in mein Gesicht. Wie der Zyklon still wird!

O mögen in meinem Alter Gottes Palmen mein Herz wie die friedliche Weinlaube deines Eilandes überschatten!

DAS GRABMAL DES DICHTERS

Wenn ich an meiner Dichtung mit derselben Sorgfalt gearbeitet habe wie ein ordentlicher Schuster an seinem Stücke Leder, dann betrachte ich den schönen Baum im Garten des Hauses, in dem Alfred de Vigny gewohnt hat, als er in Orthez Soldat war. Der Handlungsreisende, der seinen Musterkoffer in die Apotheke oder den Buchladen trägt, weiß so wenig, daß hier der Dichter Alfred de Vigny gewohnt hat, wie das Rind, das zur Weide trottet, oder der Distelfink, der an seinen Futterhalmen pickt.

Diese Unwissenheit der Städte in allem, was ihre großen Männer angeht, hat ihren guten Grund. Sie bewahren von ihnen nur das in ihrer Erinnerung, was im Einklange mit ihrem eigenen Wesen stand. Wenn nur Cervantes, der groß ist wie Homer, einmal wiederkehren wollte in die Francosgasse zu Madrid, in der er gestorben ist, und den Schatten seiner dereinstigen Hauswirtin fragte: „Habt Ihr einen Dichter des Namens Miguel Cervantes de Saavedra gekannt, der den Don Quichote geschrieben hat?“ Er bekäme zweifellos zur Antwort: „Wenn Ihr einen Einarmigen meint, den hab’ ich gekannt, aber einen Dichter nicht.“