und dem Wolf mit der Hand ein Zeichen gab, er möge dem Graustrumpf vertraun. Und Isegrim, gelehrig und beruhigten Sinnes, fühlte, wie ihn der Glaube abermals überkam, und er schloß sich an seine Freunde, nach einem langen Blick auf seinen Herrn und in dem Bewußtsein, daß für die Auserwählten sogar das Abschiednehmen göttlich ist.

Sie ließen den Winter hinter sich. Sie staunten über ihren Gang durch diese Wiesen, die ehemals unerreichbar waren und so hoch über ihnen. Doch das Verlangen nach dem Paradiese gab ihnen Halt und Sicherheit in dem Himmel.

Auf den Pfaden der Seraphim, die Lichtspaliere entlang, auf den Milchstraßen, wo der Komet eine Garbe ist, leitete Langohr seine Genossen; Franziskus hatte sie ihm anvertraut, ihn zu ihrem Führer erwählt, weil er Langohrs Klugheit kannte. Und hatte denn Langohr seinem Herrn nicht bei verschiedenen Gelegenheiten Proben erbracht von jener Furcht, die der Anfang der Weisheit ist? Hatte er bei der Begegnung mit Franziskus und bei der Aufforderung zum Mitgehn nicht gewartet, bis ihm der Heilige

ein Büschel frisches Gras zu fressen reichte? Und als alle seine Gefährten sich aus Liebe zueinander dem Tode weihten, hatte da er, der Graustrumpf, nicht weiter die bittere Baumrinde gekaut?

Darum konnte es dem Hasen auch im Himmel an seiner Klugheit nicht fehlen; wich man ab, so kam er immer wieder auf die rechte Straße, verstand es, Irrwege zu vermeiden, und wußte, wie man weder an die Sonne noch an den Mond stößt, auch wie man den fallenden Sternen ausweicht, die so gefährlich sind wie die Steine aus den Schleudern; und sich zurechtzufinden mit all den Pfählen, die die Zahl der zurückgelegten Kilometer anzeigen und die Namen der himmlischen Dörfer.

Die Landschaften, die Langohr und seine Genossen bereisten, erschienen ihnen hinreißend und begeisternd, und dies um so mehr, als sie, anders gerichtet als die Menschen, niemals die Schönheiten des Himmels geahnt, sondern ihn immer nur von der Seite erblickt hatten, doch nicht in der Höhe über sich, was ein Vorrecht des Herrn der Tiere bleibt.

Also, Kurzschwanz, Wolf, Schaf, Lämmchen, Vogel, Herdenwächter und Jägerin stellten fest, daß der Himmel nicht minder schön war als die Erde. Und alle, außer Langohr, dem die Marschrichtung zuweilen Sorge machte, genossen einer ungemischten Freude auf dieser Pilgerung zu Gott, wo an Stelle des Himmelfeldes, noch kürzlich unerreichbar über ihren Häuptern, jetzt langsam

die Erde unerreichbar wurde unter ihren Füßen. Und in dem Maße, wie sie sich von ihr entfernten, ward ihnen diese Erde zu ihrer neuen Himmelskugel. Das Blau der Meere ballte dort Wolken Schaumes, und die Lichter in den Buden besternten dort die Weite der Nacht.

Allmählich näherten sie sich den Ländern, die ihnen Franziskus verheißen hatte. Bereits zergingen der rosenrote Klee der Sonnenuntergänge und die leuchtenden Früchte des Dunkels, ihre Speise, größer immer und voller, in ihren Seelen zu paradiesischen Süßen.

Die Blätter, die brennenden Säfte flößten in ihr Blut eine sommerliche Kraft, einen frohen Überschwang, wovon die Herzen schneller schlugen bei der Annäherung an die künftigen Herrlichkeiten.