Endlich gelangten sie zu dem Aufenthalt der seligen Tiere, zum ersten Paradies, dem der Hunde.
Eine Weile schon vernahm man ein Bellen. Sie kamen an den Stumpf einer zerfressenen Eiche und sahn darin eine Dogge sitzen wie in einer Nische. An ihrem abweisenden und zugleich sanften Blick merkte man, daß sich ihr Gehirn ein wenig in Unordnung befand. Es war die Dogge des Diogenes, der Gott eine Einsamkeit geschenkt hatte in dieser aus dem ganzen Baum gehöhlten Tonne. Unbewegt sah sie die Stachelhunde vorbeiziehn. Danach, zu deren großer Verwunderung, trat sie auf einen Augenblick aus ihrer moosbewachsenen Behausung und knotete sich selbst wieder an, indem sie mit dem Maule nachhalf — denn ihre Leine
hatte sich gelockert — kehrte dann in ihr Holzgewölbe zurück und sagte:
Hier findet jeder seine
Lust, wo er sie sucht.
Und wirklich erblickten Langohr und seine Freunde eine Anzahl Hunde auf der Suche nach vorgestellten, verlornen Wanderern. Sie wagten den Abstieg in tiefe Schlünde, um die Verunglückten dort zu finden, ihnen ein wenig Brühe zu bringen, Fleisch und Branntwein, in den kleinen Fässern an ihrem Hals.
Andre wieder warfen sich in vereiste Seen, in der immer getäuschten Hoffnung, einen Schiffbrüchigen daraus hervorzuziehn. Sie schwammen zurück ans Ufer, zitternd und betäubt, jedoch befriedigt von ihrer nutzlosen
Treue und bereit, sich aufs neue hinauszustürzen.
Wieder andre bettelten hartnäckig um ein paar alte Knochen vor der Schwelle verlassner Hütten an der Straße und warteten auf die Fußtritte, die ihren Blicken eine verehrungswürdige Schwermut verleihen sollten.
Da war auch ein Scherenschleiferhund, der drehte freudig, mit hängender Zunge, an dem Räderwerk eines Steines, auf dem sich kein Messer glatt schliff. Aber seine Augen glänzten von dem hinnehmenden Glauben an seine erfüllte Pflicht, und er unterbrach seine Anstrengung nur, um Atem zu holen und sich wiederum anzustrengen.