Dann gab es da einen Wächterhund, der wollte ewig verirrte Schafe in ihre
Hürde zurückführen. Er jagte nach ihnen am Rand eines Baches, der am Hang eines wiesengrünen Hügels leuchtete.
Von diesem grünen Hügel, und aus Unterholz hervorbrechend, stieg eine Meute nieder, die den ganzen Tag Traumhindinnen und Traumgazellen verfolgt hatte. Ihr Geläute, festgehalten auf alten Spuren, erklang wie beglückte Glocken an einem blühenden Ostermorgen.
Nicht weit von dieser Stelle richteten sich die Wachthunde und die kleine Jägerin häuslich ein. Aber als diese von Langohr zärtlichen Abschied nehmen wollte, gewahrte sie, daß er sich aus dem Staub gemacht hatte, schon seit dem Anschlagen der Meute.
Und so mußten ohne ihn die Sperber,
die Eule, die Tauben, der Wolf und die Lämmer ihren Flug wieder aufnehmen. Sie begriffen gar wohl, daß er, ein kleingläubiger Hase, nicht wie sie zu sterben verstanden hatte, und daß er lieber, als sich durch Gott gerettet zu sehn, sich selber retten wollte.
Das zweite Paradies war das der Vögel; es lag in einem kühlen Wäldchen, ihr Sang tropfte auf die Erlen und kräuselte die Blätter. Und von den Erlen strömten die Lieder hinab in den Fluß und erfüllten ihn so mit Musik, daß er auf den Schilfrohren spielte.
In der Ferne zog sich ein Hügel hin, voll Frühling und Schatten. Sein Bau war von einer unvergleichlichen Anmut. Er duftete nach Einsamkeit: nach nächtlichem Flieder und dem Odem aus dem Herzen dunkler Rosen, woraus die heiße weiße Sonne trinkt.
Nun mit einemmal, in Pausen, als wären die kristallenen Sterne, ihr Licht brechend, auf Wasser gefallen, hörte man den Sang der Nachtigall aufgehn. Nichts hörte man als den
Sang der Nachtigall. Auf dem ganzen weiten stillen Hügel hörte man bloß den Sang der Nachtigall. Die Nacht war bloß das Seufzen der Nachtigall.