Da, in dem Wäldchen, stieg die Morgenstunde auf, errötend wegen ihrer Nacktheit inmitten der gefiederten Sänger, die noch nicht daran dachten, ihr Zwitschern abzustimmen, so schwer waren ihre Flügel von Gefühl und Morgentau. Noch schlugen die Wachteln nicht in den grünen Halmen. Die Meisen mit ihren schwarzen Köpfchen rauschten in dem Feigendickicht wie Kiesel in der Strömung. Ein Grünspecht, beinahe wie ein Büschel Gras von goldschimmernden Wiesen, eine Kleeblüte auf dem Kopf, zerriß mit seinem Schrei die Himmelsbläue. Dann richtete

er seinen Flug auf die alten, blendend blühenden Apfelbäume.

Die drei Sperber und die Eule gingen ein in diese Blumenweiden, und nicht ein Rotkehlchen, nicht ein Distelfink, nicht ein Hänfling erschraken vor ihnen. Die Raubvögel hockten sich nieder ins Geäst, in anmaßender und schwermütiger Haltung, und das Auge zur Sonne gekehrt, schlugen sie dann und wann mit ihren Stahlschwingen gegen den scheckigen Kiel ihrer Brust.

Die Eule aber suchte den Schattenhügel auf, um zurückgezogen in einer Höhlung, und zufrieden mit ihrem Dunkel und ihrer Einsicht, die Nachtigall klagen zu hören.

Doch die köstlichste Zuflucht hatten sich die Tauben erwählt. Sie saßen auf würzigen Ölbäumen im Abendwehn. In diesem Garten lebten junge Mädchen, die man wegen ihrer tierhaften Anmut eingelassen hatte, alle die jungen Mädchen, seufzend und wie Jelänger-Jelieber, alle die jungen Mädchen, die mit den empfindsamen Tauben schmachten, von den Tauben Venetiens an, die den gelangweilten Dogaressen fächelten, bis zu den Tauben Westindiens, mit dem neckischen Feuer ihrer orangen- und tabakfarbenen Fischerinnenschnäbel; alle die Tauben der Träume und alle die träumenden Tauben: die Taube, die Beatrice aufzog und der Dante ein Korn reichte; und jene, die in der Nacht von der enttäuschten Quitteria vernommen

ward; und jene, die aufschluchzen mußte auf der Schulter Virginiens, als sie im nächtlichen Quell, im Schatten der Kokospalme, vergebens ihre Liebesglut zu kühlen versuchte; und noch die Taube, der die Siebzehnjährige, bedrückt von der Schwüle des Sommers, im Hausgarten bei den reifenden Pfirsichen zärtlich wilde Botschaft anvertraut, damit sie sie mit forttrage, auf ihrem Flug ins Ungewisse.

Und dann waren hier die Tauben der alten, rosenumsponnenen Pfarrkirchen: die Tauben, die aus seiner weihrauchduftenden Hand Jocelyn nährte, während seine Gedanken bei Laurence weilten. Und die Taube, die man dem sterbenden kleinen Mädchen bringt; und die Taube, die man in manchen Gegenden auf die

heiße Stirn der Kranken legt; und die geblendete Taube, die so schmerzlich aufstöhnt, daß sie den Zug ihrer wilden Schwestern in den Hinterhalt des Jägers lockt; und die beste aller Tauben, die in seiner Dachkammer den alten vergessenen Dichter tröstet.

Das dritte Paradies war das der Schäfchen.

Im Schoße eines Smaragdtales, bewässert von Bächen, die unter ihrem besonnten Kristall eine Decke unerhörten Grüns zeigten; nahe bei einem perlmutternen, pfauengleich schillernden See, tiefblau und wie Glimmerschiefer, wie die Kehle der Kolibri und die Flügel der Schmetterlinge: hier, wo sie das ungetrübte Salz von dem goldgekörnten Granit geleckt hatten, unter dem Dach ihres dichten Wollvließes wie Blatt und Ast unter Schnee, träumten die Lämmer ihren langen Traum.