Eine gute Weile noch trug er seine Haut aufwärts, indes die beunruhigten Hunde seine Spur verloren, und wieder abwärts, bis zur Landstraße in die Pyrenäen, wo er ein Pferd mit einem Karren herankommen sah. In der Ferne, auf dem Weg, wirbelte der Staub wie im Märchen vom Blaubart, wenn die Schwester fragt: Schwester Anna, siehst du noch nichts? Die silberne
Trockenheit, wie war sie prächtig und duftete bitter nach Minze. Nicht lange, so stand das Pferd vor dem Hasen.
Es war ein armseliger Gaul vor einem zweirädrigen Gefährt, und er konnte nur noch im Galopp und ruckweise ziehn. Jeder Schritt erschütterte sein gelockertes Gerippe, daß das Geschirr klirrte, und die helle Mähne flatterte in der Luft, grünlich wie der Bart eines alten Seemanns. Mühsam, als wären es Pflastersteine, hob das Tier seine geschwulstig aufgetriebenen Hufe. Langohr erschrak vor der großen lebendigen Maschine und ihrem lauten Geräusch. Er tat einen Satz und floh weiter über die Wiesen, die Stirn gegen das Gebirge, den Schwanz gegen die Heide, das rechte Auge gegen die steigende Sonne, das linke dem Dorf zu.
Endlich verkroch er sich in einem Stoppelfeld, unweit einer Wachtel, die in der Art der Hennen mit dem Bauch im Sande schlief und, von der Wärme betäubt, durch die Federn hindurch ihr Fett ausschwitzte.
Der Tag funkelte im Süden. Der Himmel erblaßte unter der Hitze und wurde perlgrau. Ein Mäusefalk schwebte mühlosen Fluges in immer höhern, immer weitern Kreisen. Wenige hundert Schritte geradeaus, und die pfauengleich schillernde Fläche eines Flusses wälzte das Spiegelbild von Erlen mit sich; ihren klebrigen Blättern entsickerte ein herber Duft, und ihre gewalttätige Schwärze brach schneidend in den klaren Glanz des Wassers. Nahe dem Damm glitten die Fische in Rudeln vorüber. Der Mariengruß rührte mit seiner himmelblauen
Schwinge an den Sonnenbrand eines Kirchturms, und Langohrs Mittagsruhe begann.
Regungslos blieb er bis zum Abend in seinem Stoppelfeld, nur ein Mückenschwarm belästigte ihn ein wenig, ein Flimmern wie ein Weg in der Sonne. Erst in der Dämmerung hüpfte er zweimal leicht nach vorn und dann zwei andere Male nach links und nach rechts.
Die Nacht war da. Er wagte sich an den Fluß, wo im Mondlicht an den Spindeln des Schilfrohrs das Gespinst der Silbernebel hing.
Mitten im blumigen Gras nahm er seinen Platz, erfreut, daß zu dieser Stunde die Töne reiner Wohlklang waren und man nicht wußte, lockten Wachteln oder Quellen.
Waren die Menschen alle tot? Nur einer wachte draußen; geschäftig über dem Wasser holte er unhörbar sein strahlenrieselndes Netz heraus.