Aber er störte nur das Herz der Welle, das des Hasen blieb in Frieden.
Und da geschah es, daß zwischen den Engelwurzdolden behutsam eine Kugel erschien. Es war die nahende Freundin. Langohr lief ihr entgegen, bis er sie tief im bläulichen Heu erreicht hatte. Ihre Nasen kamen aneinander. Und einen Augenblick lang, mitten im wilden Ampfer, tauschten sie Küsse. Sie trieben ihr Spiel. Dann wandten sie sich, vom Hunger geleitet, gemächlich und Seite an Seite, gegen eine dunkel hingestreckte Meierei. In dem ärmlichen Gemüsegarten, wohin sie eingedrungen waren, gab es knisternden Kohl und würzigen Thymian. Nebenan hauchte der Stall seinen Atem; hinter der Tür des Verschlages ließ das
Schwein sein bewegliches Grunzen hören und sein Schnüffeln.
So verstrich die Nacht mit Essen und Lieben. Allmählich, im Morgenrot, regte sich die Finsternis. Flecken leuchteten von fernher. Alles begann zu schwanken. Ein Gockel auf dem Hühnerstall zerriß die stille Luft. Er krähte wie besessen und klatschte sich Beifall mit seinen Flügelstumpfen.
Langohr und seine Frau verließen einander an der Schwelle der Dornen- und Rosenhecke. Kristallen tauchte ein Dorf aus dem Nebel, und im Felde zeigten sich hastende Rüden, deren Ruten wie straffe Seile schaukelten; in der Minze und zwischen den Halmen mühten sie sich, die von dem lieblichen Paar geistvoll geschlungenen Schleifen zu entwirren.
Unter Maulbeeren, in einer Grube, schlug dann Langohr sein Lager auf, hier verweilte er bis zum Abend, mit offenen Augen. Hier saß er wie ein König unter dem Spitzbogen der Zweige, die ein Regenguß mit hellblauen Perlen geschmückt hatte. Endlich schlief er ein. Doch sein Traum war unruhig und nicht so, wie ihn der stille Schlummer des schwülen Nachmittags beschert. Fremd war ihm die starre Schlaftrunkenheit der Eidechse, die kaum zuckt, wenn sie das Leben der alten Mauern träumt; und fremd die zutrauliche Feierstunde des Dachses, der da in seinem lichtlosen Erdbau sitzt und es kühl hat.
Jedes noch so kleine Geräusch raunt ihm von der Gefährlichkeit dessen, was sich rührt, fällt und stößt; ein Schatten bewegt sich unerwartet:
naht ein Feind? Er weiß, daß man im Nest nur dann glücklich sein darf, wenn alles jetzt ebenso ist, wie es vorher war. Daher kommt seine Liebe zur Ordnung und verhilft ihm zu seiner Behaglichkeit.
Denn warum sollte in der blauen Windstille träger Tage am wilden Rosenstrauch ein Blatt erzittern? Warum, wenn die Schatten des Unterholzes so langsam vorrücken, als ob sie den Tag festhalten wollten, warum sollten sie sich plötzlich regen? Und warum hätte er sich zu den Menschen begeben sollen, die nicht fern von seiner Zufluchtstätte die Maiskolben einsammelten, darin die Sonne ihre fahlen Lichtkörner enthüllte? Seine Lider ohne schützende Wimpern vertrugen nicht die verwirrenden Wellen der Mittage,
gewiß nur darum verbot sich ihm die Nähe der Wesen, die ungeblendet in die weißen Flammen der Sicheln sehn.