„Sie müssen oft herkommen,“ sagte Allan, „da eine Loge für Sie reserviert ist.“
„Ja, ich komme hie und da her. Wollen Sie nicht den Ueberrock ablegen? Es pflegt hier sehr warm zu sein.“
Allan legte Rock und Hut ab und reichte sie dem Diener; sein Begleiter tat das gleiche und ging auf eine Türe zu, die einen vergoldeten Fünfer zeigte. Allan ging ihm nach, aber folgte halb unbewußt dem orientalisch gekleideten Diener mit dem Blick. Er sah ihn auf einen Knopf drücken, wobei die Türe zu einer Art Garderobe aufsprang, in der er die Ueberkleider unterbrachte, die er in Empfang genommen hatte. Rechts in der Garderobe sah Allan flüchtig eine halb geöffnete Türe mit einem schmalen Treppenaufgang dahinter. Alles dies nahm kaum drei Sekunden in Anspruch; aber wie es sich später zeigte, hing von diesen drei Sekunden der Ausgang der Abenteuer des Abends ab. Nun war er wieder an der Seite seines Begleiters. Dieser drehte sich lächelnd zu ihm um.
„Ich habe das Vergnügen, Sie in den Klub der internationalen Feuerfresser einzuführen,“ sagte er und öffnete die Türe, die die vergoldete Ziffer 5 zeigte. „Treten Sie ein!“
Allan trat vor ihm ein. Bei dem Anblick, der sich ihm bot, zuckte er erstaunt zusammen. Er hatte sich irgendein kleines Klublokal von halb zweideutiger Sorte erwartet, aber was er sah, war unleugbar etwas ganz anderes.
Die „Loge“, in der er stand, war eine Art Mittelding zwischen gewöhnlicher Theaterloge und Tribüne — sie lag ein paar Fuß über dem Boden der großen Halle und war von dieser durch eine Rampe von flackernden Kerzenflammen getrennt, die der Halle zugekehrt waren. Die Beleuchtung der Loge kam von oben, aus einem Netz von Geißlerschen Röhren, durch die ein regenbogenschimmerndes Licht in feinen, lautlosen Fluten strömte. Die Wände waren ganz unter schweren Draperien verborgen. Es stand ein gedeckter Tisch da, mit Kuverts für zwei Personen. Der Tisch hätte jedoch reichlich Platz für sechs gehabt. Drei große Champagnerkühler auf hohen Silberfüßen standen daneben. Die Stühle waren durch orientalische Diwane ersetzt. — Auf der anderen Seite der beständig flackernden Lichtrampe lag ein großer Saal in groteskem Rokokostil mit einem mattgeschliffenen, durchsichtigen Glasboden. Die Beleuchtung kam von tief unten in rhythmischen Kaskaden von verschiedenfarbigen Lichtern, die aufwallten und erloschen und den Paaren, die dort drinnen tanzten — denn der Saal war offenbar als Tanzsaal gedacht — ein wunderliches Cachet der Unwirklichkeit gaben. Eine Menge Menschen, Herren und Damen in bunten Kostümen, morgen- und abendländischen, ethnographischen und rein phantastischen, weitwallenden und zuweilen mehr als leichten, bewegten sich über den regenbogenschimmernden Glasboden zum Takt einer Kapelle, die Allan schließlich am entferntesten Ende des Saales entdeckte. Diese Kapelle, in roten Mänteln, an jene erinnernd, mit denen die Inquisition ihre Opfer ausstaffierte, saß auf einer Art schwarzen Insel des leuchtenden Glasbodens. Das Ganze machte einen so verwirrenden Eindruck, daß Allan sich mit beiden Händen an den Kopf griff. War er wach? Wie konnte ein solches Lokal seinen Zugang durch das unscheinbare Loch in der Wand haben? Er wendete den Blick seinem Begleiter zu und fand, daß er ihn von einem der Diwane mit einem amüsierten Lächeln betrachtete.
„Das kleine Lokal der Feuerfresser macht Ihnen Eindruck?“ sagte er.
„Ich habe nie in meinem Leben etwas Aehnliches gesehen,“ sagte Allan wahrheitsgemäß. „Aber wie —“
„Keine Fragen, lieber Freund. Sie begreifen, ein Klub wie der unsrige ist exklusiv und will keine fremden Personen in seine Geheimnisse einweihen. Sie haben mich dort unten amüsiert, und es hat mich amüsiert, Ihnen einen kleinen Gegendienst zu erweisen. Aber keine Fragen!“
Allan verbeugte sich.