So fand ich in und bei Üsküb im Februar, März und April 1918 viele Spinnenarten und konnte an ihnen manche Beobachtungen machen. Anfang März traf ich den Weberknecht (Phalangium cornutum L.), der auch sonst in Mazedonien sehr häufig war. Eine ganze Anzahl von Wolfsspinnen waren schon in den ersten Märztagen, während des verfrühten Vorfrühlings (vgl. S. 166) sehr mobil. So liefen am Wardarufer zahlreiche Exemplare von Lycosa paludicola Clerck frei auf dem Sand umher, und zwar waren es Männchen, Weibchen und zahlreiche kleine Tierchen darunter. Am gleichen Tage fand sich dort Trochosa cinerea F., auch frei umherlaufend auf dem sonnenbeschienenen Sand. Eine andere Art der gleichen Gattung wurde fast an der gleichen Stelle erst Mitte April gleichzeitig mit der ersteren beobachtet, es war dies Trochosa infernalis Motsch. Diese Arten bauen Röhren im Boden, welche bei Tr. cinerea etwa 25 cm lang werden.

Besonders auffällig waren in der Üsküber Gegend die mächtigen Taranteln; große, dunkle, behaarte Spinnen, welche Röhren im Boden bewohnen. Eine der Arten (Tarentula praegrandis C. L. Koch), kam in der ganzen Umgebung von Üsküb sehr häufig vor ([Abb. 161]). Ich habe sie auch bei Dedeli und im Gebirge, auf dem Wodno und später im Sommer auf dem Tomorosgebirge in 1500 m Höhe beobachtet. Überall baute sie schiefe Röhren in den Boden, welche 20-35 cm lang waren. Diese Röhren hatten einen Durchmesser von etwa 1-1½ cm und waren mit einem festen Spinnstoff ausgekleidet, so daß man sie ganz bis zu ihrem rundlich geschlossenen Ende aus der Erde herauspräparieren konnte.

Abb. 161. Tarentula praegrandis (C. L. Koch) mit ihrem Bodenloch.

In sie tauchten die Spinnen, wenn man sie verfolgte, blitzschnell hinein und verkrochen sich bis ans unterste Ende. Man sah sie oft nahe dem Ausgang ihrer Röhre auf der Lauer sitzen; doch waren sie nicht selten auf Streifzügen unterwegs.

Die Deckel- oder Minierspinnen aus den Gattungen Cteniza und Nemesia, welche im westlichen Mittelmeergebiet häufig sind, und welche ich früher bei Bozen und in Italien beobachtet hatte, fand ich in Mazedonien nicht, obwohl ich sehr auf sie fahndete.

Eine zweite Art der Gattung Tarentula (T. apuliae Walck.), die ich schon im Jahre 1917 bei Kaluckova gesehen hatte, ein mächtiges Tier mit dunkelbraunem Hinterleib und gelbbraun geringelten Beinen fing ich auch Mitte April bei Üsküb. Am 10. April erbeutete ich ein stattliches Weibchen, welches einen großen, kugeligen Eikokon mit sich trug. Die Begattungszeit war also bei diesem Tier so früh im Jahr schon abgeschlossen. Eine dritte Art Tarentula cuneata Clerck fand ich bei Üsküb schon Anfang März.

Noch mehrere Arten der gleichen Gattung habe ich in Mazedonien beobachtet, so T. trabralis Clerck in einem Kiefernwald bei Strumiza, T. pulverulenta var. aculeata Clerck auch schon im März im Karadakh. Im Süden Mazedoniens war Tarentula radiata Latr. häufiger; ich fand sie dort überall im Wardartal und auf den Bergen. Bei Hudova bedeckten ihre Röhren weite Flächen in der Ebene, besonders in den Maulbeerpflanzungen.

Bei Kaluckova hatte ich als Röhrenbewohner Mygale icterica C. L. Koch (Trechona) beobachtet.

In den drei Frühlingsmonaten traf ich in und um Üsküb ferner noch Runcinia lateralis C. L. Koch im März in ganz jungen Exemplaren. Unter Steinen fand ich Pisaura mirabilis Clerck und Drassus pubescens Thor. Xysticus luctator L. Koch lief frei herum, während Epeira ubrichii Hahn und E. redii Scop. beim Bauen ihrer Radnetze waren und Liocranum tenuissinum L. Koch am Wardar an Pappeln herumlief.