Nach einem Besuch bei dem Direktor besichtigen wir das Werk, welches als Tagbau betrieben und infolgedessen sehr leicht zu überblicken war. Einige der Hügel und Rücken des Berges bestanden aus Serpentin, welches von Chromeisenerz stark durchsetzt war. Dieses wurde durch oberflächliche Sprengungen in Trümmer zerlegt, welche auf kleinen Karren auf Schienen zu bestimmten Stellen gebracht und angehäuft und von da zu Tal gebracht wurden.
So machte die Landschaft einen öden Eindruck; Pflanzen wuchsen keine auf diesen Hängen, nur an den Rändern und in den Schluchten zeigte sich die übliche trockene Buschvegetation. Grünlich-grau war das Gestein, an einzelnen Stellen traten tiefschwarze Massen hervor; das war das chromreichste Erz. Dort wurde gesprengt und gearbeitet. Hier sah man dunkle Menschenmassen zusammengedrängt: hunderte von Arbeitern, welche die Gesteinsmassen in die „Hunde‟ schaufelten. Diese liefen auf schmalen Geleisen, die wagerecht den Hängen entlang verliefen. So war das ganze Gelände in Terrassen geteilt, welche parallel übereinander einige hundert Meter an der Talwand sich hinzogen.
Abb. 163. Radusche. Lage am Fluß, Bahnstation und Häuser.
Die erzhaltigen Steintrümmer wurden mit Klopfmaschinen zerkleinert, die Stücke sortiert, die gehaltreichsten Erze, die fast schwarz waren, von den grauen geringeren und diese von dem Grundgestein gesondert. Dieses blieb auf den Halden zurück, während das Erz in Körben auf einer primitiven Schwebebahn hinab zur Bahnstation gebracht und in die Güterwagen verladen wurde.
So bildeten sich an den Abhängen mächtige Schutthalden, von denen manche weiß wie Schnee von den bunten, meist grünlichen Felsen des Grundgesteins seltsam abstachen.
Dieses einfache Bergwerk war schon in Friedenszeiten abgebaut worden, aber infolge der geringen Rentabilität und der Transportschwierigkeit hatte es nie richtig floriert und lag meist still. Die Arbeiterzahl, die man dort in serbischer und früher in türkischer Zeit beschäftigte, hatte wohl niemals die Zahl 100 erreicht.
Abb. 164. Chromerz-Tagebau bei Radusche.
Zur Zeit meines Besuchs war dort großer Betrieb. Man beschäftigte gerade 3700 Arbeiter, meist Mazedonier und Albaner. Über ihre Leistungsfähigkeit, Arbeitsamkeit, Arbeitsdisziplin wurde sehr geklagt. Aber gearbeitet werden mußte doch mit allen Kräften. Denn Chrom war für die deutsche Heeresleitung ein wichtiger Artikel. Nachdem der Wolframimport von Übersee, vor allem von Birma, vollkommen abgeschnitten war, hatte man in Deutschland alle alten Werke, die Ersatzmetalle, wie Molybdän liefern konnten, wieder in Betrieb gesetzt, so kleine Bergwerke in den hohen Bergen der Alpen.