Solche Tänze werden nicht nur in den Klöstern bei religiösen Feiern ausgeführt, sie spielen im Leben der Bauern überhaupt eine große Rolle, man kann sie in den Dörfern an Sonn- und Feiertagen unter dem großen Schattenbaum des Dorfes oder auf dem Gemeindeplatz beobachten; bei Hochzeiten und anderen Familienfesten dürfen sie nicht fehlen.

Hier im Kloster ging es geordneter her als bei den Tänzen, welche in den Dörfern etwa zur Feier einer Hochzeit stattfanden. Dort nahmen neben den Festgebern auch allerhand andere Leute an den Tänzen teil, vor allem die Kinder der Nachbarschaft, die viel weniger gut gekleidet, oft direkt verlumpt waren. Dann unterschied sich der Anfang der Kette mit dem geregelten Tanz, den stattlichen, schön geschmückten Frauen sehr von dem Hinterende, wo Mädchen von 8-12 Jahren, ungeschickt und ungraziös mittanzten, die Hände oft loslassend und so die Kette sprengend, daß der Vortänzer immer wieder eingreifen mußte.

Abb. 180. Junger Männerkreis beim Tanz in Neresi.

Noch schlimmer war das im Männerkreis, dem sich oft ganz kleine Knaben angliederten, von denen einige die Hanswürste machten, schrien, lachten, den Tanz störten und jubelnd Purzelbäume schlugen.

In den Klöstern waren immer die Kirchen besonders interessant, soweit sie alt waren und früheren Jahrhunderten entstammten. Dann war die Bauweise von besonderem Interesse und weckte Gedanken an die Geschichte des Landes. Und zwar waren es meist bulgarische Traditionen, welche aus den alten Bauten zu einem sprachen. Die Kapitel über Prilep und Ochrida werden Gelegenheit geben, auf sie zurückzukommen.

Während des Feldzugs waren auch deutsche und bulgarische Archäologen und Kunsthistoriker an der Erforschung und Katalogisierung der historisch, kulturell oder künstlerisch wertvollen Bauwerke und Kunstdenkmäler tätig. Ihnen will ich nicht ins Handwerk pfuschen, wenn ich der Bauten und ihrer Ausschmückung gedenke, welche auf meinen Pfaden mir begegneten. Vielmehr will ich der Anregungen gedenken, die von ihnen ausgingen und mich veranlaßten, mit offenen Augen auch diese Zeugnisse der Entwicklung der Balkanvölker anzuschauen.

Während Kirchen späteren Ursprungs vielfach als Basiliken gebaut sind, sind alte Kirchen, wie die von Neresi, meist als Kuppelkirchen mit einer großen zentralen Kuppel und vier Randkuppeln angelegt. Diese Grundform wird meist als byzantinische Bauweise bezeichnet, wenn sie auch offenbar älter ist als die byzantinische Kunst und, wie Strzygowski gezeigt hat, auf armenische Ursprünge zurückzuführen ist. Dem altarmenischen Konchenquadrat entspricht der Grundriß der Kirche von Neresi, wenn auch hier durch Anbauten an der Portalseite und am Chor eine Längsachse geschaffen ist. Sehr reizvoll sind in Neresi die Einfassungen der Fenster, ganz typisch der Gegensatz des achteckigen Zentralkuppelturmes zu den quadratischen Ecktürmen.

Das Innere mit dem freien Raum für die Gemeinde, anschließend an das Hauptportal, zeigt die übliche Trennung des Allerheiligsten durch den Ikonostas, die Bilderwand mit reicher Schnitzerei und Vergoldung und Heiligenbildern von nicht sehr hervorragender alter Malerei. Einige Steine und Säulenteile im Innern deuten auf hohes Alter der Kirche hin. Sie stammt aus dem 12. Jahrhundert. Alte freskenähnliche Temperamalereien sind in den Ecktürmen und in der Apsis erhalten; weniger wertvolle Malereien aus neuerer Zeit finden sich im Hauptraum. In der Hauptsache gehen die gottesdienstlichen Handlungen hinter der bildgeschmückten Schranke vor sich. Deren drei Türen spielen im Ritus eine große Rolle. Der meist schöne Gesang der Priester im Wechsel mit den in der Kirche antwortenden Chören geben dem Gottesdienst eine feierliche Weihe. Sehr groß ist der Prunk im slavischen Ritus. Ein Aufgebot von zahlreichen Priestern mit oft sehr prunkvollen bunt- und goldgestickten Gewändern macht auf das Volk einen starken Eindruck.

Tradition spielt in der griechischen Kirche eine sehr große Rolle. Das ist ja in Religionen die Regel; aber gerade in der Balkankirche ist sie wohl ganz besonders streng. So ähneln sich die Balkankirchen in Bauweise, Einrichtung, Schmuck außerordentlich untereinander. Damit ist natürlich infolge der Nachahmung guter alter Vorbilder auch ein gewisses Niveau gewahrt. So kann es einen oft erstaunen, in einer Dorfkirche eine ganz merkwürdig gute Ausschmückung anzutreffen.