FÜNFUNDZWANZIGSTES KAPITEL
BIENEN MAZEDONIENS
Als ich nach Mazedonien zog, wußte ich schon, daß von den wilden Bienen der Balkanhalbinsel noch sehr wenig bekannt war. Und noch dazu wußte ich, daß unser bester Bienenkenner, Dr. H. Friese in Schwerin, meine Ausbeute bearbeiten würde. So wurde denn um alle Standquartiere und auf allen Wanderungen sorgsam auf Bienen geachtet und soviel beobachtet und gesammelt, als Zeit und Kräfte mir und meinen Helfern erlaubte. So kam eine Sammlung von etwa 1800 Bienen zusammen, von denen bisher 205 Arten und Varietäten bestimmt sind; dabei fanden sich eine ganze Anzahl neuer Arten und Formen und für viele Arten stellte sich ein neues Verbreitungsgebiet heraus. Auch für die Ökologie der Arten wurden manche neue Beobachtungen gemacht.
Bisher waren Hymenopteren in Istrien, Dalmatien, Bosnien, der Herzegowina, von den griechischen Inseln und aus Griechenland selbst bekannt geworden, aber noch kaum etwas aus den zentralen Teilen des Balkan und vor allem wenig aus den Hochgebirgen. Daß meine Sammlung trotz aller Arbeit und Aufmerksamkeit noch viele Lücken in unserer Kenntnis der mazedonischen Bienen übrig läßt, hat wohl seinen Hauptgrund darin, daß ich mich oft zur besten Zeit nicht in den für Bienenbeobachtung günstigsten Gebieten aufhalten konnte. Wie schade, daß nicht ein guter Bienenspezialist mich auf den Reisen begleiten konnte; es wären dann ganz andere Resultate erzielt worden.
Bei meiner Darstellung will ich mich zunächst an meine eigenen Beobachtungen halten. Als alter Bienenfreund habe ich die Honigbienen nicht vernachlässigt und versucht, festzustellen, welche Rassen dieses Haustieres in Mazedonien vorkommen und in welcher Weise sie dort gezüchtet werden. Beachtenswert ist, daß vier verschiedene Formen der Honigbiene von mir beobachtet wurden, nämlich außer den überall vertretenen, der gewöhnlichen dunkeln Biene (Apis mellifica L.) und der hellen, gelblichen Italiener Biene (Apis mellifica var. ligustica Spin.) fanden sich zwei weitere Bienenformen. Relativ häufig begegnete mir die krainer Biene (Apis mellifica var. carnica Poelm), seltener die griechische oder Hymettusbiene (Apis mellifica var. cecropia Kiesew.).
Davon kamen die dunkle deutsche Biene bei Üsküb und Kaluckova, die italiener Biene an der Mala Rupa und bei Prilep vor. Die krainer Biene fing ich am häufigsten und in den weitest auseinander liegenden Orten. Ich stellte sie fest von Koinsko, Kaluckova, Üsküb bis Bucin und zum Prespasee. An diesem letzteren Fundort kamen drei der Bienenformen vor, die deutsche, die griechische und die krainische; die griechische war vor allem längs des Wardar weit verbreitet.
Das zeigt, daß die Bienenzucht mit einer gewissen Intensität in Mazedonien betrieben wird. Um so überraschter war ich über den ursprünglichen Stand, auf dem die Zuchtmethoden geblieben sind. Ich habe nur eine dunkle Erinnerung, ein oder zweimal moderne Bienenstöcke mit Wechselrähmchen, wie sie in Deutschland wohl jetzt seit 50 Jahren fast jeder Bienenzüchter besitzt, gesehen zu haben. Da das aber in größeren Ortschaften an der großen Verkehrsstraße war, so kann ich nicht sagen, ob die Bauten Eingeborenen oder etwa deutschen oder anderen Soldaten gehörten.
Jedenfalls kann die neuere Bienenzuchtmethode in Mazedonien keinen breiteren Boden gewonnen haben; denn wo ich mir Bienenstöcke genauer ansah, handelte es sich stets um die alten primitiven Bauten. Bei uns werden solche seit Einführung der Wechselrahmen nur mehr in den Heidegegenden verwendet, da der Heidehonig sich meist nicht zentrifugieren läßt. So gibt es bei uns in Hannover, Friesland und in Holland den alten strohgeflochtenen Stülpkorb. In Mazedonien wird aber der Wabenbau der Bienen beim Ernten des Honigs immer noch zerstört und den Bienen wird nicht die große Arbeitsersparnis gegönnt, welche die nach dem Zentrifugieren immer wieder verwendbaren Waben der Wechselrahmen ermöglichen. Hier findet man meist als Bienenhäuser verschieden gestaltete Lehmgefäße verwendet. Man sieht diese auf Brettern unter dem Dachrand an der Außenwand des Hauses aufgestellt, gelegentlich auch auf Brettgestellen im Hof. Eine ganz große Bienenzucht bekam ich auf meinen Wanderungen in Mazedonien nicht zu sehen. Ob alle Völker Mazedoniens Bienen züchten, konnte ich nicht feststellen. Vielleicht ist es nur ein Zufall, daß ich Bienenstöcke vorwiegend bei Griechen und Aromunen, auch bei Bulgaren fand.
Eigenartige, glockenförmige Bienenstöcke, aus Weiden geflochten, außen mit Lehm und Mist überschmiert, stellt das Bild aus einem Bauernhofe in Koinsko dar ([Abb. 185]). Ähnliche Stöcke sah ich in Krusevo bei einer Aromunenfamilie.
Bei der primitiven Bienenpflege in Mazedonien kann es nicht verwundern, daß man nicht selten auf wilde Bienenvölker stößt, welche in hohlen Stämmen alter Bäume sich niedergelassen haben. Ein solches in einer Edelkastanie angesiedeltes sehr starkes Volk habe ich im vorigen Kapitel erwähnt (s. [S. 354]).