Abb. 185. Bauernhaus in Koinsko mit Bienenstöcken.

Eine eigenartige Methode, Bienenschwärme einzufangen, beobachteten wir an einem lehmigen Hang nicht weit vom Dorfe Taor, südlich vom Katlanovosee. An dem Steilhang eines Hügels waren in der glatten, senkrechten, und daher vegetationslosen Lehmwand einige tiefe Gruben mit kreisrunder Öffnung eingebohrt, die mit Kuhmist ausgeschmiert waren. Die fast ½ m im Durchmesser erreichenden Löcher waren zum Teil außen mit Brettern zugenagelt; eines der Bretter enthielt ein kleines Flugloch. Die Einwohner der Umgebung bezeichneten sie als Lockmittel für durchgegangene Schwärme, die häufig hierher fliegen sollen und von dort heimgebracht würden. Es scheint dies vielfach der Brauch zu sein. Speziell in der Gegend des Katlanovosees sahen wir öfter solche „Bienenschwarmfallen‟ ([Abb. 186]).

Die Balkanvölker scheinen alle den Honig sehr zu lieben; alle haben Gerichte und Konfekte, die aus ihm bereitet sind. Ich erinnere nur an die verschiedenen Formen des türkischen Honigs, der auch bei uns früher auf Jahrmärkten feilgeboten wurde. Bei Begrüßungen wurde von Bulgaren nicht selten auf Tellerchen Honig gereicht, den man mit kleinen Löffeln aß.

Wie häufig Bienenstöcke und wilde Bienenvölker in Mazedonien sein müssen, sah man an den Massen von sammelnden Honigbienen, die man auf jeder blühenden Wiese, an jedem blumenbedeckten Baum oder Strauch antraf. Nur im Hochgebirge fehlten die Bienen vollkommen.

Abb. 186. Bienenschwarmfallen bei Taor.

Nicht ganz so zahlreich wie die Honigbienen, aber immerhin in stattlichen Mengen waren die Hummeln vertreten. 40 Arten und Varietäten von Hummeln und Schmarotzerhummeln brachte ich mit. Ich denke gern an die Geschäftigkeit der bunten, wolligen Tiere zurück, wie sie brummend die Blumen umflogen oder in Löcher im Boden, zwischen Baumwurzeln, in Spalten der Gartenmauern einschlüpften. Die durch meine Funde festgestellte reiche Hummelfauna Mazedoniens macht nach Frieses Angabe einen alpinen Eindruck, erinnert an diejenige unserer Alpen. Dabei ist wieder, wie bei fast allen Tiergruppen, hervorzuheben, der Einschlag von typischen Steppenhummeln. Eine solche ist z. B. Bombus eversmanni var. steveni Rad., die ausschließlich in dem südlichen Flachland zwischen Hudova und dem Doiransee gefunden wurde, jener Gegend, die auch sonst an Steppentieren reich ist. Eine weitere typische Steppenhummel ist Bombus haematurus Kriechb., die im Nikolatal, also auch noch im südlichen Flachland, allerdings auch einmal im Gebirge bei Gopes gefunden wurde. Eine dritte Steppenform ist B. niveatus var. vorticosus Gerst., die von Kaluckova und der Plaguša Planina bis nach Prilep und Kalkandelen verbreitet ist, selbst im Schardakh an der Kobeliza in über 1200 m Höhe vorkam.

Während viele der Hummelarten von der Ebene bis zu Höhen von etwa 1500 m in den Hügeln und Bergen verbreitet waren, habe ich schon früher im 14. Kapitel das Vorkommen typisch nordisch-alpiner Formen in Höhen von 2000-2400 m an der Kobeliza im Schardakh erwähnt. Dort fing ich in der Übergangszone von 1400-1800 m Bombus lapponicus var. pratincola Nyl., auf den Alpenmatten über 2000 m die var. alpestris Friese, var. helveticus Friese und var. balcanicus Friese. Die var. helveticus kam auch in der Gipfelregion des Peristeri vor.

Soweit ich Hummelnester beobachten konnte, befanden sie sich stets im Boden, zwischen Baumwurzeln oder unter Steinen.