Am 28. Juli 1917 konnte ich in Plauš einen eigenartigen Vorgang bei einer Hummelart beobachten; es war ein Hochzeitsflug, vergleichbar demjenigen der Bienenkönigin. An der Wand eines Hauses flog ein Schwarm von 15-20 Hummeln stürmisch unter lautem Summen umher. Voraus flog stets das große starke Weibchen, umgeben, umschwirrt von der Schar ihrer Drohnen. Sie flog immer an der Wand des Hauses entlang, schlüpfte in Löcher hinein, kam wieder hervor, immer verfolgt von den Männchen. Diese folgten ihr zum Teil in das Loch hinein, während die anderen, die ihre Spur verloren hatten, planlos vor der Wand herumbrummten, bis sie wieder auftauchte; dann schlossen sie sich von neuem ihrem Gefolge an. Schließlich gelangte ein Männchen zur Begattung. Es war nicht ganz klar, ob nicht mehrere Männchen die Begattung noch versuchten. Ich fing einige der Männchen; schließlich kam die Königin aus einem Loch nicht mehr hervor. Die Männchen zerstreuten sich und es trat Ruhe ein. Die Art war Bombus eversmanni var. apicalis Mor.

Leider konnte ich die Hummelkönigin nicht aus ihrem Loch herausbringen um festzustellen, ob das zur Begattung gelangte Männchen wie die Bienendrohne nach dem Akt sofort abstirbt.

Wo Hummeln flogen, da fanden sich auch fast immer solitäre Bienen. Die vielgestaltigen, so interessanten einsam lebenden Bienen waren, wenn auch an Artenzahl nicht so überwältigend, wie man vom Balkan vielleicht erwartet hätte, doch in ganz großen Individuenzahlen vertreten. Überall im Lande traf ich sie an, von den Seen und den Flußtälern bis in die höchsten Bergesregionen. Auf fast jeder Seite meines Tagebuches findet sich die Notiz „Bienen‟. In der Nähe von Kaluckova, im Wardartal, auf der Plaguša Planina, bei Üsküb, am Wodno, ist mir die Erinnerung an manchen Pfad und Wegrand mit den Bildern fliegender Bienen verknüpft, welche da ihre Nestlöcher aufsuchten. Und diese Löcher mit den feingearbeiteten kreisrunden Eingangsöffnungen habe ich ja an manchen Stellen dieses Buches erwähnt. Schon in den ersten Tagen meines Aufenthaltes in Mazedonien freute ich mich an den Eucera-Arten, mit ihren langen, leise zitternden Fühlern, wenn sie die Blüteneingänge abtasteten oder eine fleißige Anthophora verdrängten, die vor ihnen in die Blume eindringen wollte. Beim Absuchen der Ameisennester sah ich auf den Hügeln bei Kaluckova, an den lehmigen und tonigen Wänden der Schluchten und Hohlwege hunderte ihrer Bauten und sah die unermüdlichen Tiere an ihnen arbeiten und in sie eintragen.

Da kamen die Osmien und andere Bauchsammler und hatten ihre Unterseite dick eingepudert mit dem weißen, gelben oder roten Blütenstaub, den die reichen Fluren ihnen darboten. Viel häufiger als solche waren aber überall in Mazedonien die Beinsammler, welche bei der Heimkehr ihre Hinterbeine weit vom Leib abspreizen mußten, so dick waren sie von den Pollenhöschen, die sie sich unterwegs beim Besuch der Blumen angezogen hatten.

Gut vertreten waren in allen Gegenden von Mazedonien, die ich aufsuchte, die Anthophorinen, von denen ich 31 Arten in etwa 200 Exemplaren mitbrachte. Bei der Gattung Anthophora konnte durch meine Sammlungen zum ersten Male das Vorkommen von zwei Generationen im Jahr festgestellt werden. Die erste fand sich bei Anthophora acervorum L. im Februar, März und April bei Kaluckova und auf dem Wodno bei Üsküb, die zweite an denselben und anderen Orten, so Gopes im Juli und August. Ebenso wurde von Anthophora crinipes Sm. die erste Generation im April bei Üsküb und Kaluckova, die zweite an denselben Orten im Juli nachgewiesen.

Selbst in den Dörfern und ihren Straßen konnte man viele solitäre Apiden beobachten. Da bauten sie vielfach in den Lehmwänden der Häuser und Gärten. Eine Art sah ich da z. B. als Baustelle immer den Mörtel der Steinhäuser benutzen. Andere liebten die Stengel der Brombeerbüsche der Schluchten, manche bauten in den dürren Stengeln von Disteln und Königskerzen.

Auch die Obstbäume der Gärten und die Maulbeerpflanzungen boten vielen Bienen, besonders den Holzbewohnern, Wohnung. Ende April traten im Wardartal viele der schönen stahlblauen und violetten Holzbienen aus der Gattung Xylocopa auf; ganze Schwärme von ihnen belebten die blütenreiche Ebene. Unter ihnen war besonders auffallend Xylocopa olivieri Lej. durch ihren wundervollen rotbraunen Pelz. Ebenso schön waren Xylocopa valga Gerst. ([Abb. 187]) und andere Formen der Gattung. Etwas später im Juni und Juli traten die Arten der Gattung Ceratina auf.

Abb. 187. Xylocopa valga Gerst. Vergr. 1½.

Auf Steinen und Felsen fanden sich in der Plaguša Planina nicht selten die aus Lehm aufgebauten Nester der Mörtelbiene (Chalicodoma muraria var. nigerrima Perez), welche aussahen wie eine an den Felsen geworfene Handvoll Lehm, der dort getrocknet war.