Zu gleicher Zeit mit den Xylocopa-Arten traten in der Nähe von Kaluckova große Mengen von Wespen auf, von welchen ähnlich wie jene, die großen schwarz-gelben Scolia-Arten sich sehr bemerkbar machten und wegen ihres Stiches sehr gefürchtet wurden. Polistes- und Vespa-Arten waren häufig und ihre Papiernester sah man viel an den Hausdächern und in Bäumen. Wir segneten sie als Fliegenfänger. In einem anderen Kapitel habe ich die Fliegenplage in Mazedonien geschildert und erwähnt, daß diese vielfach Essen im Freien unmöglich machte. Das wurde oft noch dazu kompliziert, daß um unseren Eßtisch sich hunderte von Wespen versammelten und uns oft noch von der Gabel vor dem Mund die Fliegen wegfingen, um sie zur Ernährung ihrer Larven ins heimische Nest zu tragen.

Im 23. Kapitel habe ich bei Schilderung meiner Streifzüge am und auf dem Wodno bei Üsküb die wundervolle Bienenwand im Markovatal beim Kloster Markova beschrieben ([S. 348]). Dort befindet sich auch ein Bild dieser großen Kolonie von Anthophora parietina F. ([Abb. 172], [S. 351]). Ich füge hier noch ein weiteres Bild bei, welches einen Überblick über diese große Stadt von Bienennestern bietet.

Abb. 188. Überblick über einen Teil der Lehmwand mit der Nesterkolonie von Anthophora parietina F. beim Kloster Markova.

Meinen dortigen Angaben möchte ich hier noch einiges zusetzen. Als ich mich mit meinen Begleitern länger an der Bienenwand aufhielt und mir dort zu schaffen machte, mit dem Netz Bienen fing, konnte ich eine Beobachtung machen, welche zeigt, daß auch bei diesen vollkommen einsam lebenden Bienen gelegentlich Ansätze von sozialem Handeln vorkommen. Plötzlich umschwärmte uns mit lautem Summen ein großer Schwarm der Bienen; sie flogen hastig auf uns los und prallten gegen uns, so daß wir aus Angst vor ihren Stichen instinktiv zurückfuhren. Ähnliche Beispiele gemeinsamer Verteidigungsaktionen sind von Friese und Alfken bei Andrena ovina Klug und gerade bei Anthophora parietina F. beobachtet worden. Meine Beobachtung schließt sich also vollkommen den Angaben dieser Forscher an und bestätigt, daß während diese solitären Bienen sich sonst gegenseitig gar nicht beachten und sie sich gegenseitig niemals helfen, ein sie gemeinsam bedrohender übermächtiger Angriff eine Vereinigung vieler Individuen zur Abwehr veranlaßt. Wenn es sich damit auch nicht um echtes soziales Zusammenwirken handelt, so müssen doch Instinkte durch Warnungslaute oder sonstwie geweckt werden, welche bei den sozialen Insekten bestimmt sind, eine große Rolle zu spielen.

Außer den solitären Bienen flogen emsig vor der Lehmwand bei Markova andere Hymenopteren umher. Das waren die Schmarotzerbienen, welche in die Nester der Anthophora einzudringen suchten, um da ihre eigenen Eier an dem aufgespeicherten Futter und bei dem Ei der rechtmäßigen Eigentümerin des Nestes abzulegen. Es waren dies schwarz-weiß gefärbte Bienen der Arten Crocisa scutellaris Lep. und Coelioxys rufescens Gef. Das sind die typischen Nestparasiten der Anthophora parietina F.

Abb. 189. Mitbewohner der Nestkolonie von Anthophora parietina. a Andrena hattorfiana Spm. b Crocisa scutellaris Lep. c Coelioxys rufescens Gef. Markova. Vergr. 2:1.

Die verhielten sich ganz anders zu den Nestern; trieben sich unruhig vor den Eingängen herum, ängstlich vor den Besitzern ausweichend und machten den Eindruck von richtigem Diebsgesindel. Derartige Brutschmarotzer waren in Mazedonien den großen Mengen der solitären Bienen entsprechend auch sehr viel und oft zu beobachten. Ich habe in früheren Kapiteln schon die Schwebfliegen der Gattungen Anthrax und Bombylius erwähnt, welche am Boden an den Eingängen der Bienennester hinflogen. Auch die Goldwespen, die ähnliche Instinkte haben, habe ich oft an den Lehmwänden vor Erfüllung ihrer bösen Absichten weggefangen.

An vielen Orten habe ich Schmarotzerhummeln aus der Gattung Psithyrus beobachtet und auch die Nomada-Arten, jene Bienen, die besonders bei den Osmia-Arten parasitieren. So gelang auf der Mala Rupa ein interessanter Fund. Da fing ich Panurgus banksianus am selben Tag und am selben Ort, wie die schon als ihr Nestschmarotzer verdächtigte Nomada similis Mor., so daß dadurch eine neue Bestätigung dieses Abhängigkeitsverhältnisses erbracht wurde.