Gebirgsbienen gehörten überhaupt zu den interessantesten Bestandteilen unserer Ausbeute an Bienen. Die Balkanfauna an Bienen zeigte wie die anderen Tiergruppen außer eigenen Formen eine Zusammensetzung aus nördlichen und südlichen (mediterrane) Elementen, zu denen sich nicht wenig östliche Steppenformen gesellen. Dazu kommen die wohl als Eiszeitrelikte zu deutenden Hochgebirgstiere. Von Interesse ist von den letzteren die neu von uns entdeckte Osmia bulgarica Friese, welche ich am Pepelak und Liseč in der Golesniza Planina bei etwa 1800-2000 m Höhe fing. Sie lehnt sich an Osmia inermis Zett. an, welche außer in den Alpen in Finnland, Lappland und Schottland lebt. Solche Alpentiere, aber ohne eiszeitliche Beziehungen, stellen z. B. Megachile analis Nyl. von der Mala Rupa und Andrena ephippium var. macedonica Friese dar und wohl manche anderen Bienen meiner Sammlung.
Abb. 190. Kartenskizze des mittleren Wardartals und der Pässe nach Prilep.
SECHSUNDZWANZIGSTES KAPITEL
DIE ERFORSCHUNG DER GOLESNIZA PLANINA
Fährt man von Üsküb mit der Orientbahn südwärts gegen Veles, so fällt einem im Westen ein Gebirge von reichen Formen auf. Im Frühling und Frühsommer glänzen von seinen Gipfeln breite Schneefelder herüber. Je öfter ich vorüberfuhr, um so lebhafter wurde mein Wunsch, dies Gebirge kennen zu lernen. Bisher war nur einmal ein deutscher Geograph, K. Östreich, ein guter Kenner Mazedoniens, an seinem Rand gewesen und hatte eine Skizze von ihm entworfen, welche manches Interessante versprach.
Als ich im Sommer 1918 mein Standquartier in Üsküb hatte, konnte ich dem Plan näher treten. Es mußten gewiß Schwierigkeiten vorhanden sein, die es verhindert hatten, daß die so wanderlustigen Offiziere und Ärzte der verbündeten Truppen in Üsküb das reizvolle Gebirge in den Jahren der Besetzung nicht aufgesucht hatten. Es war bisher ein unbekanntes Gebiet geblieben.
Im April 1918 traf ich die ersten Vorbereitungen zu einer Expedition in das südlich von Üsküb gelegene Gebirge. Zunächst suchte ich nach dem Studium der Karten aus der Ferne einen Überblick über die Lage des Gebirges und günstige Anmarschwege zu gewinnen. Einen guten Einblick in seine Lage und seinen Aufbau gewann ich vom Gipfel des 1100 m hohen, südlich im Weichbild von Üsküb ansteigenden Wodno, den wir ja schon im 23. Kapitel kennen lernten. Im April sah ich von dessen Gipfel das wundervolle Bild der schneebedeckten Berge, welches die nebenstehende Abbildung wiedergibt ([Abb. 191]). Mächtige steile Gipfel schimmerten rosig im Glanz der Abendsonne und winkten vielversprechend zu mir herüber, als ich den festen Entschluß faßte, sie zu besteigen. Vom Gipfel des Wodno übersah man das weite Tal, durch welches man an das Gebirge herankam; ein Bachtal führte tief ins Gebirge hinein, das mußte man verfolgen, um in die Schluchten und an die steilen Abstürze heranzukommen, die jetzt von tiefblauen Schatten scharf hervorgehoben wurden.
Einige Vorexpeditionen bereiteten die Unternehmung vor, die planmäßig ausgedacht, die Unterstützung unserer obersten Heeresleitung fand. Ich wurde in meinem Vorhaben in großzügigster Weise gefördert. Zunächst war das Einverständnis der bulgarischen Behörden, die zuerst alle möglichen Bedenken wegen angeblich im Gebiet hausender serbischer Banden vorbrachten. Schließlich siegte aber doch der Wunsch, durch uns genaueres über das auch den Bulgaren wenig bekannte Gebiet zu erfahren. Wir bekamen Führer, Tragtiere, Bedeckungsmannschaften zugesagt; ein Dolmetscher, der serbisch, albanisch, türkisch, kutzowallachisch, bulgarisch, deutsch, französisch und allerhand andere Sprachen beherrschte, wurde uns zugewiesen. Die deutsche Heeresleitung stellte mir Reit- und Tragpferde, dazu die nötigen Mannschaften und gab mir die Möglichkeit, den sehr wichtigen Reiseproviant aus dem Magazin in Üsküb zu erwerben.