Als Namen dieser Bergzüge wurden Herrn Dr. Gripp von den Einwohnern des Dorfes Jabolcista angegeben: Salakova, Schachkaviza, Eilagiza und Jurudschiza. Etwas höher als diese ist die quer vor ihnen liegende Mumjitza, auf der zahlreiche Felsklippen aufragen. Sie fällt steil nach Westen zur oberen Kadina Reka ab, während sie auf der Ostseite in einen sanften Abhang übergeht. Alle diese Berge zeigen mattenbedeckte breite Rücken, während steilere Hänge dichten, grünen Buchenwald tragen. Zwischen dem Südende der Mumjitza und dem südöstlich von ihr gelegenen Berg Liseč, den wir von unserem dritten Lager mehr aus der Nähe sehen konnten, ragten zwei schmale, parallele Höhenzüge empor; der näher gelegene, genannt Szriba(i)tschan erreicht die Höhe von 1805 m, während die zwischen ihm und dem Liseč hinziehende zweite Kette, deren Namen wir in dem öden menschenarmen Gebiet nicht erfahren konnten, noch höher ist.

Abb. 197. Endmoräne des Gletschers im Wannental. Golesniza Planina.

Dr. Gripp beobachtete in diesem Gebiet nur Gneise. Dieser einheitlichen Gesteinszusammensetzung schreibt er die gleichmäßige Oberflächengestaltung des Gebietes zu. Angelagert an diese Gneise fand er eine Hülle von Glimmerschiefer, zum Teil Granatglimmerschiefer, aus der auch der größte Teil des Pepelak und des Höhenzuges zusammengesetzt ist, der sich vom Pepelak bis Jabolcista erstreckt.

Ganz anders als diese milden, gleichartigen Berge sehen die Gebirgszüge aus, welche westlich von diesem Glimmerschiefergebirge liegen. Es ist das weiße, kahle, baumlose und überhaupt vegetationsarme Gebiet, welches ich oben schon erwähnte. Wir alle, welche die Gebirge der Gegend von Triest, von Istrien oder der Herzegowina kannten, wurden durch seinen Anblick an den Karst erinnert. Unser Geologe bestätigte uns die Richtigkeit dieser Annahme. Es war ein typisches Kalkgebirge; die Gesteine, die es zusammensetzten, waren nur Marmor und Dolomit. Und überall traten uns die typischen Karstphänomene entgegen, welche für Gebirge vom Bau des Karstes in aller Welt charakteristisch sind und den Namen dieses südkrainischen und küstenländischen Gebirges zu einem geologischen Fachausdruck gemacht haben.

Dr. Gripp phot.

Abb. 198. Doline bei Lager 2 im Golesnizagebirge.

Vor allem war die Wasserarmut dieser Berge auffällig. Streifte man durch diese weißen, plattigen Gesteine, dann mußte man seine Feldflasche wohlgefüllt mitnehmen. Denn auf Quellen konnte man nicht rechnen. Die Täler und Schluchten waren trocken und keine munteren Bäche durchströmten sie. Wo Schmelzwasser von den Schneefeldern herabfloß, versickerte es bald im Boden oder verschwand in unterirdischen Spalten. Die Täler waren sämtlich abflußlos. Die für den Karst so bezeichnenden Dolinen waren überall in großen und kleinen Ausmaßen anzutreffen. Es sind das Einsturztrichter, welche dadurch entstanden sind, daß unterirdische Höhlen durch Auslaugung der Felsen sich bildeten, in welche später die Felsendecke einstürzte. Solche riesigen Dolinen wie im adriatischen Gebiet, in denen große Felder und Gärten, ja ganze Dörfer liegen können, fanden wir allerdings hier im Hochgebirge nicht. Karstphänomene werden wir weitere zu erwähnen haben, wenn uns die Beschreibung der weiteren, von uns durchforschten Strecken der Golesniza Planina dazu führt.

Besonders interessant für den Geologen waren die Beobachtungen einer Auflagerung von mehreren hundert Metern mächtigen Marmormassen auf dem kristallinen Schiefer. An zwei Stellen konnten solche Überlagerungen beobachtet werden; in beiden Fällen lagerten helle Kalke und Kalke mit Glimmer, die unter 50-70° nach Südwesten einfielen, über den kristallinen Schiefern, und zwar ohne jede Transgressionsmerkmale zu zeigen. Die Kalke gingen nach oben bald in graue Dolomite und hellen Marmor über. Im Patiskatale fand Dr. Gripp eine linsenförmige Scholle von Gneis von einer Länge von 8-10 m in den untersten Lagen der Kalke.