Nachmittags ritten wir über einen Höhenrücken in die weite Mündungsebene des Markovabaches, dann am Wardar entlang auf guter Landstraße auf Üsküb zu. Wieder ragte vor uns der Wodno mit seinen im Abendschein scharf hervorstechenden Rinnen und Kanten auf. Wir überblickten den Weg, den wir vor 10 Tagen bergwärts zurückgelegt hatten.

Auf der Straße mußten wir einen schlanken Trab anschlagen, denn ein nahendes Gewitter zog am Berg entlang. Der Wind wirbelte bereits ungeheure Staub- und Sandwolken auf. Kurz vor der Stadt Üsküb faßte uns noch das Gewitter und so ritten wir in strömendem Regen in guter Ordnung in die Stadt ein. Am Abmarschplatz löste sich die Karawane auf. Ich führte noch die Pferde und Mannschaften über die Wardarbrücke durch die ganze Stadt zum Zitadellenberg, wo Pferde und Leute im Heerespferdedepot vollzählig und wohlbehalten wieder abgeliefert wurden.

Dann rückte ich persönlich mit meinem braven Burschen in mein nahegelegenes Quartier bei den bulgarischen Freunden wieder ein, müde und hungrig nach den anstrengenden Tagen.

Nach einem erfrischenden heißen Bad saß ich abends behaglich bei meinen Freunden und erzählte befriedigt von den wundervollen Natureindrücken und den interessanten wissenschaftlichen Beobachtungen, welche dieses schöne Stück Mazedoniens mir beschert hatte.

SIEBENUNDZWANZIGSTES KAPITEL

STIP UND DAS OVČE POLJE

In Mazedonien gibt es auch echte Steppe, und zwar Grassteppe. Nie allerdings erreicht sie eine sehr große Ausdehnung und immer wieder schwanken ihre Grenzen, indem das Kulturland bald in ihr Gebiet vordringt, bald vor ihr zurückweicht. Glich im heißen Spätsommer 1917 schon ein großer Teil Südmazedoniens einer Steppe, so war das mit der Hochebene bei Stip in noch viel höherem Grade der Fall. Ich habe sie nur flüchtig kennen gelernt, doch will ich ihrer Eigenart eine kurze Darstellung widmen.

Von Veles steigt eine prächtige Landstraße am linken Wardarufer in einigen eleganten Kurven auf die Hochebene hinauf, um auf ihr fast eben zu verlaufen. Sie führt in einem flachen Bogen direkt ostwärts nach der Stadt Stip und von da über Radovista und Strumiza weiter. Sie wurde noch in türkischer Zeit von französischen Ingenieuren ganz vorzüglich gebaut.

Ist man den Talhang des Wardar hinauf gelangt, so dehnt sich weit nach Osten vor einem die Hochebene und verschwimmt in der Ferne in blauem Dunst. Sie ist in der Hauptsache flach und am 30. August war sie von graugelbem dürrem Gras bedeckt. In der Ferne erhoben sich einzelne steilumrissene Bergblöcke, Granitlakkolithe zu einer Höhe von etwa 450 m und damit etwa 250 m über der Hochfläche. Ein solcher Felsenberg oder vielmehr eine Gruppe von solchen bildet das Skelett der Stadt Stip.

Stip, auch Istib genannt, eine malerische Stadt, an der Bregalniza gelegen, ist die Hauptstadt des Gebietes, welches Ovče Polje, das Schafsfeld, genannt wird. Die Bregalniza kommt von Nordosten und strömt noch etwa 6 Kilometer über Stip in dieser Richtung weiter; dann biegt sie nach Einmündung der Lakaviza in rechtem Winkel nach Nordwesten ab, um nach 12 Kilometern eine ebenso energische, rechtwinkelige Umbiegung in ihrer früheren Richtung zu machen, um ihrer Mündung in den Wardar, kaum 6 Kilometer oberhalb Gradsko, zuzustreben. Im Oberlauf durchströmt die Bregalniza ein weites Sumpfgebiet bei Koschana, welches durch seine Reisfelder berühmt ist.