Da gab es, auch typisch für die Steppenlandschaft, eine ganze Anzahl von Lerchenarten. Am Boden liefen zahlreich die Kalanderlerchen (Melanocorypha calandra calandra L.), die auffallend großen, aufrechten Tiere mit der lauten Stimme. Haubenlerchen belebten den Steppenboden (Galerida cristata meridionalis Brehm). Für alle diese Lerchen war hier in der Steppe Ende August der Tisch reich gedeckt. Nicht nur trugen die meisten Pflanzen Samen, kaum irgendwo sah man noch eine Blüte, auch der Insektenreichtum kam ihnen zugute.
Viele von ihnen gleichen auch dem Steppenboden in Farbe und Zeichnung so ausgezeichnet, daß sie durch Ducken dem scharfen Blick der sie verfolgenden Raubvögel entgehen. Das gilt vor allem von der Kurzzehenlerche, die auch auf der Hochebene sich fand (Calandrella brachydactyla moreatica Mühlb.), eine charakteristische südliche Form. Eine vierte Lerchenart schließlich war besonders häufig, die südöstliche, in Asien weitverbreitete Form der Feldlerche (Alauda arvensis cantarella Bp.).
Daß der Wiedehopf (Upupa epops epops L.) hier nicht fehlte, braucht kaum erwähnt zu werden. Wie possierlich sah er aus, als er auf dem Pferdeschädel saß, seinen Schopf sträubte und sich nach allen Seiten umschaute. Ähnlich reizvoll war die besonders in der Nähe der Stadt Stip häufige türkische Turteltaube (Streptopelia decaocto decaocto Friv.), die überall, wo Türken leben oder einmal lebten, sich festgesetzt hat und mit ihrem Ruf, ihrer schönen Färbung und ihren zierlichen Bewegungen die Landschaft anmutig belebt.
Die häufigsten und auffälligsten Vögel auf der Hochebene von Stip waren aber die Falken. Sie waren in dieser letzten Augustwoche zu Tausenden hier versammelt. Und es war nicht etwa die Vorbereitung zum Herbstzug ins Winterquartier, die sie hier zusammengeführt hatte, es war die reiche Weide, die sie auf die Steppe gelockt hatte.
Schon während der Fahrt im Auto die Landstraße entlang, war die Menge der Falken äußerst auffallend gewesen, die auf den Telegraphendrähten, je 6 bis 10 zwischen zwei Stangen saßen. Ungestört durch Lärm und Staubwolke bespähten sie von ihrem erhöhten Sitze aus den Steppenboden und tauchten alle paar Minuten auf ihn herab. Es waren vor allem zwei Arten, die sich hier versammelt hatten, der Turmfalke (Falco tinunculus tinunculus L.) und der Rötelfalke (F. naumanni naumanni Fleisch.). Beide sind Insektenfresser und nähren sich mit Vorliebe von Heuschrecken. Jetzt im Herbst gab es für sie unerschöpflich viel zu fressen. Sie sammelten sich, wo es viele Heuschrecken gab; und diese waren ja jetzt alle ausgewachsen, große stattliche Tiere, eine fette Nahrung.
Alle Falken, welche in Kaluckova zu Blutuntersuchungen auf ihre den Malariaparasiten verwandten Blutschmarotzer geschossen worden waren, hatten den Magen voll Heuschrecken. Und gar hier auf der Steppe, da brauchten sie nicht zu hungern. Sie konnten dick und feist in den grimmen Winter hineingehen.
In dieser Spätsommer- und Herbstzeit konnte ich bei diesen Falken und anderen Vögeln wiederholt eine interessante Beobachtung machen. In der Zeit der Dürre kam es durch Unvorsichtigkeit oder Absicht nicht selten zu Bränden auf der Steppe und in den Buschwäldern der dürren Hügel. Dann fraß die Flamme knisternd von Busch zu Busch, eilte schnell über die begrasten Zwischenräume und weilte länger bei den Buschgruppen. So zog sie über einen Abhang, eine Fläche, eine Hügelreihe hin.
Und vor der Flammenzone, vor dem Rauchschwaden, sah man dichte Flüge von Vögeln, vor allem aus unsern zwei Falkenarten zusammengesetzt, sich versammeln. Sie flohen nicht etwa vor dem Feuer, sie hielten sich eher in seinem Bereich, oder es war vielmehr ein Gürtel in etwa 10 m Abstand und immer vor diesem, in dem sie sich zusammendrängten. Da saßen sie auf den höheren Büschen, flatterten und schwebten in geringer Höhe in der Luft und tauchten immer wieder zum Boden nieder.
Mehrfach eilte ich auf einen solchen Rand eines Brandes los, um mich zu überzeugen, was denn die Falken dort hinzog. Und was ich vermutete, bestätigte sich. Vor dem Brand rissen die Insekten aus, vor allem die flinken Heuschrecken, aber auch die anderen, welche sich auf dem Boden bewegten. Ein breites Band von Käfern, Wanzen, Tausendfüßlern wanderte vor dem Feuer her. Was leicht beschwingt war, die Schmetterlinge, die Bienen, die Fliegen hatten sich lange vorher davongemacht. Aber die laufenden und hüpfenden Insekten und mit ihnen Mäuse, Eidechsen, Frösche, Schildkröten und alles derartige Getier lief vor dem Feuer davon und damit in den gierigen Rachen von allerhand Räubern, die sich die Gelegenheit zu Nutze machten. Allerdings habe ich nur bei den beiden Falkenarten direkt beobachtet, daß sie zum Teil von weither auf die Rauchsäulen losflogen, offenbar weil die Erfahrung sie gelehrt hatte, daß in dieser Jahreszeit im Zusammenhang mit solchen reiche Beute auf sie wartete.
Stundenlang hatte die Beobachtung und Jagd mich und meine Begleiter auf der Hochebene aufgehalten, so daß es schon Nachmittag war, als wir abwärts zur Bregalniza, in die Stadt Stip fuhren, um dort eine Mittagspause zu machen. Die Stadt liegt ziemlich ausgedehnt auf einer Anzahl von Hügeln, über denen dunkle Granitfelsen sich erheben. So gewährt sie einen malerischen Anblick. Zudem ragen auf dem einen der Granitfelsen Ruinen einer alten Türkenburg in die Höhe.