Abb. 247. Mnemosyne sp. Form von Gopes.
Von Fliegen erinnere ich mich an eine lebhafte Hummelfliege (Hemipenthes morio L.) und die auffallende Raubfliege Laphria flava L. Von Bienen flogen Andrena gwynana var. aestiva K., Anthophora Kessleri Mor. und die schöne Xylocopa valga Gersh. (vgl. auch Abb. 187, S. 375) umher; eine Schmarotzerbiene (Melecta lactuosa Scop.) und eine stattliche Hummel (Bombus haematurus Kriechb.) schwirrten am Boden entlang.
Noch manches interessante Tier konnte ich in den wenigen Stunden, die mir an diesem Tag gewährt waren, beobachten. Um so dankbarer empfand ich dies, als ich im nächsten Jahr kaum einen Monat später bei einer neuen Exkursion nach Gopes eine ganz veränderte Fauna, keine einzige der diesmal beobachteten Arten, mehr vorfand.
Der Aufenthalt hier oben weckte in mir zwei Pläne, die im nächsten Jahr zur Ausführung gelangten. Ich beschloß beim Anblick des Peristeri, diesen eigenartigen Berg zu besteigen und seine Natur kennen zu lernen. Noch stärker zog es mich in die Tiefe, als ich von der Paßhöhe nach Westen und Südwesten blickte. Frei lag vor mir eine weite Ebene, in deren Mitte die Stadt Resna mit ihren weißen Häusern aufblinkte. Die Ebene war eingefaßt von einer Kette hoher Berge, hinter denen die albanischen Gebirge auftauchten.
Zwischen dem Berg, auf dem ich stand, und jenen fernen Ketten aber blinkte im Süden im zarten Duft der Spiegel des Prespasees auf. Also so nahe zu meinen Füßen lag dieser schöne blaue See und ähnlich mußte jenseits jener Bergkette der Ochridasee liegen, von dessen Schönheit viele Berichte mir geworden waren.
Ganz anders sah die Landschaft um Gopes aus, als ich einige Monate später auf der Fahrt zum Ochridasee sie durchreiste. Da war auch hier viel verdorrt und verbrannt, Pflanzenwelt und Tierwelt vollkommen verändert.
Und noch mehr umgewandelt erschien sie mir, als ich am 18. Dezember 1917 eine Winterfahrt nach Gopes unternahm. Als ich im Auto durch die Ebene von Prilep fuhr, da strahlten alle Gebirge, welche sie umgeben, in einem schimmernden Schneegewand. Nicht nur der hohe Peristeri mit seinen Nachbarbergen, die ganzen Mittelgebirge lagen in tiefem Schnee. Da genoß ich auf der Fahrt in der Ebene ein wundervolles Schauspiel. Erstaunlich war schon die Menge von Elstern, Dohlen, Raben, Krähen, die sich bei der winterlichen Kälte in der Nähe der Dörfer angesammelt hatten. Auffälliger waren die großen Zahlen von Kiebitzen, die an den Gräben herumflogen und vor allem der Falken, die trotz der Kälte hier ausgehalten hatten.
Das Seltsamste waren aber die Massen von Wildgänsen, die sich in der Ebene von Prilep in diesen Tagen angesammelt hatten. Schon bei der Fahrt durch Serbien und Nordmazedonien hatte ich große Mengen dieser Vögel an den Flüssen gesehen. Vor allem im Wardar schwammen an jeder Windung, in jeder Bucht eine Anzahl Paare dieser stattlichen Vögel, meist gleichzeitig mit Stockenten und anderen Wildenten. Hier aber auf der Ebene von Prilep waren ihrer gewaltige Massen versammelt.
GOPES.