Vermessungsabt. 21. phot.
Abb. 246. Gopes im Sommer.
Den Eindruck, den Gopes auf mich gemacht hatte, entsprach die Aufnahme, die ich dort fand; ebenso war die wissenschaftliche Ausbeute, welche der kurze Besuch mir dort brachte, sehr erfreulich. Ohne lang zu zögern, hatte ich eine Exkursion auf einen Berg über dem Ort unternommen, über den ein Paß zur Stadt Resna führt. Beim Aufstieg weitete die Landschaft um mich sich mehr und mehr, tiefe Einblicke in die Täler öffneten sich und das ganze Bild war von dem stolzen Kegel des Peristeri gekrönt. Noch lag reichlich Schnee auf seinen Hängen; in kühler Bläue überragte er die warme, farbige Landschaft.
Der Berg, den ich hinanstieg, war von einem stattlichen Buchenwald bedeckt; lauschige, schattige Pfade führten durch ihn hindurch. Bei diesem meinem ersten Besuch konnte ich noch die waldreiche Umgebung von Gopes in ihrer vollen Schönheit bewundern. Jeder spätere zeigte mir den Waldbestand ausgeraubt und kläglich gemindert. Bei meiner letzten Durchreise durch Gopes waren in der nächsten Umgebung des Ortes nur noch kümmerliche Baumgruppen übrig geblieben.
An den Schluchten standen aber im Juni 1917 noch prachtvolle Stämme weichblätteriger Eichen, Weiden, Pappeln, Haselnuß, an denen Efeu kletterte. Oben breiteten sich zwischen ihnen auf Lichtungen üppig grüne Waldwiesen aus; am Waldrand waren große Flächen von Adlerfarn bedeckt. Den Rand der Wiesen faßten duftende Wildrosen, Brombeersträucher, Weißdorn ein. Und welche Blütenpracht bedeckte den Boden der Wiesen; hier in etwa 1500 m Höhe war noch voller Bergfrühling. Dem entsprach auch der Reichtum der Insektenwelt, besonders der Schmetterlinge, die hier meine Aufmerksamkeit fesselten.
Unter den letzteren waren es charakteristische Gebirgsformen, die hier sich zeigten; so unter den Scheckenfaltern, wie Melitaea didyma, von der bei Kaluckova die südliche Form geflogen war, gab es hier den nördlichen Vertreter; Melitaea attalia mehadiensis Gelh. ist ein typischer Gebirgsschmetterling. Von der Gattung Pararge fand ich einen Vertreter unseres Mauerfuchses (P. maera L.), in einer interessanten Form (Übergänge zu adrasta Hübn.), und die eigenartige P. roxellena Kr. Scharen leuchtender Bläulinge umschwebten die Wiesenblumen, so Cephyrus quercus L. und Lycaena semiargus Rott., L. amandus Schn. Dazwischen zog der altbekannte goldbraune Silberstrich (Argynnis paphia L.) seine stolzen Kreise. Mit ihm flog ein zweiter Perlmutterfalter (Argynnis daphne Schiff.).
Die schönste Überraschung war aber ein echter Alpenfalter, eine mit dem Apollo verwandte Form, eine auffallend kleine Mnemosyne, die hier in zahlreichen Exemplaren flog. Es war eine anstrengende Jagd in der strahlenden Sonne, bei der mir ein junger Soldat, der mir als Begleiter mitgegeben war, eifrig half. Es gelang, eine ganze Anzahl dieses schönen weißen Schmetterlinges zu erbeuten.
Auf den blühenden Sträuchern taten sich wohl die metallisch glänzenden Rosenkäfer (Cetonia aurata var. tunicta Reit.). Am schattigen Boden lief der grünglänzende Puppenräuber (Calosoma sycophanta L.) auf der Suche nach Raub herum.