Bis Nordgriechenland:

Sturnus vulgaris.

Neben einer südöstlichen Einwanderung (von Kleinasien her) und einer nördlichen (von Mitteleuropa her) hat auf der Balkanhalbinsel nach aller Wahrscheinlichkeit auch eine solche von Nordosten, d. h. von den Tiefländern am Nordrand des Pontus her bestanden. Die Mehrzahl der Arten, die wir hierzu rechnen, hat die doppelte Schranke, welche ihnen Balkan-Gebirge und Thrakische Masse auf ihrem nach dem Adriatischen und Ägäischen Meer gerichteten Vordringen entgegenstellten, nicht zu überwinden vermocht. Zu den wenigen, die bis nach Mazedonien gelangten, gehören vielleicht Melanocorypha calandra, Lanius minor, Falco vespertinus, Asio flammeus, Otis tetrax.‟

Auch über den Vogelzug konnte manche Beobachtung gemacht werden. Es ist wohl keine Frage, daß eine wichtige Zugstraße durch Mazedonien führt. Manche Vögel, die hier vorkommen, müssen aus den verschiedenen Gebieten des Nordens stammen. Bei manchen ist wohl mit Sicherheit anzunehmen, daß sie nordrussischer Herkunft sind. So erscheinen mit großer Regelmäßigkeit als Wintergäste in Mazedonien der Bergfink, die Singdrossel sowie Falco columbarius aesalon und Anser albifrons.

Bemerkenswert ist die Tatsache, daß im Frühjahr die Vögel kaum früher ankommen als in Mitteleuropa. Die Mehrzahl der Zugvögel kommt bei Monastir, Veles und Üsküb kaum 14 Tage früher als bei Wien oder München an, oft ist der Unterschied noch geringer.

Beim Herbstzug zeigt sich dagegen ein gewisser Unterschied, indem in Mazedonien die Vögel länger zögern. Manche Art, wie z. B. Sylvia hippolais, Sylvia atricapilla, Sylvia curruca, Saxicola rubetra findet man noch im Lande, nachdem sie aus Mitteleuropa schon wochenlang vollkommen verschwunden sind. Regelmäßig überwintern, von den spezifisch südosteuropäischen Arten und Phylloscopus collybita abgesehen, in Mazedonien ungefähr dieselben Arten wie am Niederrhein. Das ist ein Unterschied gegenüber Griechenland mit seinem maritim beeinflußten Klima, wo z. B. die Mönchsgrasmücke und Phylloscopus trochilus den Winter in großen Scharen zubringen. Manche Arten scheinen auch auf Frühjahrs- und Herbstzug länger Station in Mazedonien zu machen. Ich erwähnte in einem früheren Kapitel die ungeheuere Menge von Wildgänsen und Enten, die einige Wochen vor Weihnachten im Wardartal und an den Seen verweilten, ehe sie definitiv verschwanden.

Von den Beobachtungen, welche Professor Müller über die Reptilien und Amphibien in Mazedonien gemacht hat, habe ich in den früheren Kapiteln schon manches angeführt. Ganz interessant waren seine Feststellungen, daß manche Arten, die früher für Varietäten gehalten wurden, hier so konstant gemeinsam miteinander vorkommen, ohne daß man je eine Kreuzung antrifft, daß seine Befunde wohl sicher als Beweise dafür dienen können, daß es sich um gute Arten handelt. Das gilt z. B. für die große Smaragdeidechse (Lacerta major Blgr.), welche sehr häufig mit Lacerta viridis Laur., gemeinsam lebt. Auch für die gestreifte mazedonische Eidechse gilt dies, die mit der eigentlichen Mauereidechse in großer Anzahl auf demselben Gelände vorkommt, sobald man über 500 m in die Höhe steigt. Prof. Müller hat das besonders am Babunapaß schön beobachtet, wo beide Arten auf den Steinen des Izvorsticabaches durcheinander wimmelten, ohne daß man auch nur eine einzige Zwischenform finden konnte. Es handelt sich in dieser Eidechse um eine Lokalform einer hauptsächlich auf den Cykladen lebenden Eidechsenart. Jene Art hat den Namen Lacerta milensis de Bedr.; der mazedonischen Form wird Prof. Müller einen neuen Namen geben.

Sehr interessant waren folgende Eidechsenfunde von uns: Lacerta agilis auf dem Peristeri, was den südlichsten bisher bekannten Fundort darstellt. Ebenso die Entdeckung von Lacerta vivipara und der Schlange Vipera macrops im Schardakh. Dort haben wir ja auch Rana temporaria gefunden.

Im Babunagebiet fand sich Ablepharus pannonicus. Sonst sind die interessanten Funde meist in früheren Kapiteln besprochen worden.

Im allgemeinen besteht die Reptilien- und Amphibienfauna aus Formen, die auch in Mitteleuropa vorkommen. Südliche Elemente unter den charakteristischen Bewohnern Mazedoniens sind Rana graeca, Molge vulgaris graeca, Clemmys caspia rivulata, estudo graeca und ibera, Gymnodactylus kotschyi, Ophisaurus apus, Lacerta major, Lacerta milensis, Typhlops vermicularis, Eryx jaculus, Zamenis dahli, Coluber leopardinus, Coluber quatuorlineatus, Tarbophis fallax, Coelopeltis monspessulana, Vipera ammodytes ([Abb. 268]).