Abb. 65. Veles und der Wardar vom Kloster Sveti Panteleimon.

Daß Veles seinen alten Bestand an slavischen, christlichen Bewohnern hatte, bewiesen schon die stattlichen Kirchen und Klöster, die im Süden der Stadt meist hoch am Berg lagen. Auf dem Ostufer ragte, von Bäumen umgeben, weiß leuchtend aus der grünen Umgebung Sveti Spas mit einem serbischen Friedhof, gegenüber, malerisch in die Felsen eingebaut, das große bulgarische Kloster Sveti Panteleimon. Von dessen Terrasse aus hatte man durch Bäume hindurch einen prachtvollen Blick auf das Häusermeer der Stadt, das sich eigentümlich in alle Falten und Schluchten der Berge einfügte, so daß man kaum merkte, wo Stadt aufhörte und Felsen anfingen. Das hatte zum Teil seinen Grund darin, daß die Bausteine den Felsen entstammten, an die sich die Häuser anlehnten. So waren es vornehmlich die dunkelroten Ziegeldächer, welche den Umriß der Stadt hervorhoben.

VELES MIT ALTER WARDARBRÜCKE.

So dürr und verstaubt die Stadt mit ihren engen Gassen, ihren ausgetrockneten Bächen im Sommer aussah, so waren dennoch die stattlichen Bäume bei den Klöstern nicht die einzigen im Stadtbild von Veles. Wo der Boden es hergab, wurde an Bäumen erhalten, was gewachsen war. An den Stadtausgängen standen mächtige Pappeln, Brunnen waren von Eschen und Platanen beschattet und halfen die reizvollsten Straßenbilder herstellen.

Eine riesige alte Platane am rechten Wardarufer wird jedem Besucher der Stadt in Erinnerung geblieben sein; sie beschattete den Treffpunkt der Lastwagen. Dort waren immer die Töpfereien zum Verkauf ausgestellt, welche ein wichtiges Erzeugnis von Veles und seiner Umgebung waren. Besonders wichtig unter ihnen waren die roten, porösen Tonkrüge, welche als Wassergefäße dienten. Der durch ihre Wand durchgeschwitzte feuchte Überzug ihrer Außenseite hielt im heißen Sommer das Wasser in ihrem Innern durch Verdunstungsabkühlung frisch. Sowie der Sommer nahte, tauchten in Mazedonien diese Tonkrüge in Mengen auf und brachten einen neuen Farbton in das Straßenbild und eine Erinnerung an die Tropen.

Die alte Platane ist uns Zoologen in guter Erinnerung geblieben durch einen mächtigen Uhu, der sich eines Abends auf ihr niederließ und nach aufregender Jagd erlegt wurde. Es war die typische Form, welche jetzt in der Wissenschaft den tönenden Namen Bubo bubo bubo L. führt.

In früheren Zeiten war ein Produkt des Gewerbefleißes von Veles das rote Safianleder, aus dem die türkischen Pantoffeln und feinen Schuhchen der Haremsdamen angefertigt wurden. Man sieht noch die Gerbereien, in denen das dünne Leder gegerbt wurde, wenn auch in ihnen während des Krieges kaum Leder und kaum Betrieb war. Ging man über die alte Brücke und am trocken liegenden Bach die Schlucht hinauf, gegen den Berg am Ostufer des Flusses, so kam man vor einigen hohen Pappeln zu Häusern, um welche herum die Gerbereibetriebe lagen. Auf der einen Seite war die Weißgerberei, auf der anderen die Rotgerberei, welch letztere hier noch weniger wohlriechend war, als in unseren Städten. Eigenartig waren die Einrichtungen der Weißgerberei. Eine Anzahl ovaler Steinbottiche standen am Rand der Straße, halb im Boden eingegraben ([Abb. 66]); dieser war wie sie an dieser Seite vom Alaun schneeweiß, während die übelriechende Region der Lohgerberei rotbraun gefärbt war. Hier war also einst viel von dem feinen roten Leder erst weißgegerbt worden, ehe es in anderen Teilen der Stadt gefärbt und zu den zarten Schuhen umgearbeitet wurde, die bestimmt waren, feine Frauenfüße zu umkleiden.

Abb. 66. Anlagen der Weißgerberei in Veles.