Erst jetzt achtete ich darauf, daß das Geschützfeuer auch ein Ende gefunden hatte. Tiefe Stille herrschte in der Natur, als der Abend kam. Wir wanderten in der Dämmerung die kurze Strecke zu der Wegkreuzung, wo der Wagen auf uns wartete, der in schneller Fahrt mich zu meinem Standquartier zurückbrachte.
Es war kein endgültiger Abschied vom Doiransee. Im Mai des Jahres 1918 wurde eine zweite nächtliche Forschungsfahrt auf dem See unternommen, die mit ähnlichem Erfolg endete.
Schöner als von seinen Ufern aus erscheint der Doiransee von den ihn umgebenden Gebirgen aus gesehen. Von den Bergen des Furkapasses, vom Dub und gar von der Belasiza Planina aus gewährt er manch äußerst reizvollen Anblick.
Welch schönes malerisches Bild bot er von den Gipfeln des Gebirges aus dar, wenn man etwa aus den Buchenwäldern der Visoka Čuka, umrahmt von Baumzweigen, tief unter sich den blauen See schimmern sah, umgeben von den zahlreichen Ketten der ihn umgrenzenden Gebirge, und den Blick schweifen ließ in Fernen, wo das Ägäische Meer aufleuchtete, wo die Berge der Chalkidike und der ferne Olymp blau schimmerten und die Gedanken in weite Fernen verführten.
Über unsere Forschungen am Doiransee, bei denen mich im Jahre 1918 Dr. Nachtsheim unterstützte, kann vorläufig folgendes berichtet werden. Der See ist, nächst dem Kaltanowosee, der kleinste der von mir untersuchten mazedonischen Seen. Er liegt auch viel tiefer als die anderen, nämlich 148 m über dem Meer. Er umfaßt ein Areal von nur 42,6 qkm. Seine größte Tiefe ist 9,9 m, also nur fast 10 m. Man versteht daher die weitgehende Verschlammung seiner Ufer und den breiten Schilfrand, der ihn umgibt.
Wie bei dem allerdings beträchtlich tieferen Prespasee ist auch sein Plankton reich an pflanzlichen Bestandteilen. Bei dem Fang im Juli 1917 fanden sich zahllose Blaualgen in den Oberflächenschichten, auch reichlich Ceratien, Chrysomonadinen und andere pflanzliche Organismen. Ähnlich pflanzenreich waren auch die Fänge im Mai 1918. Diese enthielten dazu zahlreiche Daphniden (Daphnia cucullata) und Copepoden, kleine Cyklopiden (Cyclops strenuus). In diesen Frühlingsfängen kamen junge Flohkrebse (Gammariden) in beschränkter Zahl vor. In 8 und 10 m Tiefe, also dicht über dem Boden, fanden sich auffallend viele Nauplius-Stadien von Copepoden. Das Netz muß hier fast auf dem Boden geschleift sein; in ihm hatten sich einige Muschelkrebse (Ostracoden) und eine Anzahl Wassermilben gefangen.
Abb. 75. Blick von der Visoka Čuka auf den Doiransee.
In den Julifängen fällt besonders eine stattliche Cladocere, eine Art der Gattung Leptodora, auf. Dieses schöne durchsichtige Tier, aus unseren süddeutschen Seen bekannt und von Weismann vor vielen Jahren im Bodensee genau studiert, kommt in vielen Varietäten und Arten in süd- und osteuropäischen Seen vor. In den Julifängen war die Art des Doiransees sehr reichlich in Männchen und Weibchen, jugendlichen und erwachsenen Exemplaren vertreten, viel reichlicher als in den Maifängen des Jahres 1918. Der Höhepunkt der Entwicklung scheint also im Hochsommer zu liegen. Im Juli war auch der Reichtum an Rädertierchen (Asplanchniden) bemerkenswert, sowie das Vorkommen einer Bosmina-Art, einer Daphnide, die beide im Mai fehlten. Selbst weit draußen im See schwammen zwischen den zarten Planktontieren die plumperen Larven der Federmücken.
Im Doiransee kommt auch der Flußkrebs (Astacus fluviatilis L.) vor, und zwar erreicht er dort eine beträchtliche Größe. Die Doirankrebse waren in der Armee sehr berühmt und beliebt.