Gora.
Gebieterin!

Medea (halblaut, sie bei Seite führend).
Warst du zugegen heut Nacht?

Gora.
Wo?

Medea (Sieht ihr fremd ins Gesicht.)

Gora.
Ah hier? Freilich!

Medea (mit freudeglänzenden Blicken).
Ich sage dir es war ein Gott!

Gora.
Ein Gott?

Medea.
Ich habe lange darüber nachgedacht,
Nachgedacht und geträumt die lange Nacht,
Aber 's war ein Himmlischer, des bin ich gewiß.
Als er mit einemmal dastand, zürnenden Muts,
Hochaufleuchtend, einen Blitz in der Hand
Und zwei andre im flammenden Blick,
Da fühlt' ich's am Sinken des Muts, an meiner Vernichtung,
Daß ihn kein sterbliches Weib gebar.

Gora.
Wie? so—

Medea.
Du hast mir wohl selbst erzählet,
Oft, daß Menschen, die nah dem Sterben,
(Heimdar) sich zeige, der furchtbare Gott,
Der die Toten führt in die schaurige Tiefe.
Sieh, der war es glaub' ich, o Gora!
(Heimdar) war es, der Todesgott.
Bezeichnet hat er sein dunkles Opfer,
Bezeichnet mich mit dem ladenden Kuß
Und Medea wird sterben, hinuntergehn
Zu den Schatten der schweigenden Tiefe.
Glaub' mir, ich fühle das, gute Gora,
An diesem Bangen, an diesem Verwelken der Sinne,
An dieser Grabessehnsucht fühl' ich es,
Daß mir nicht fern das Ende der Tage!