Medea.
Mich sende zurück
In das Innre des Landes Vater,
Tief, wo nur Wälder und dunkles Geklüft,
Wo kein Aug hindringt, kein Ohr, keine Stimme,
Wo nur die Einsamkeit und ich.
Dort will ich für dich zu den Göttern rufen
Um Beistand für dich, um Kraft, um Sieg.
Beten Vater, doch kämpfen nicht.
Wenn die Feinde verjagt, wenn kein Frevler mehr hier,
Dann komm' ich zurück und bleibe bei dir
Und pflege dein Alter sorglich und treu
Bis der Tod herankommt, der freundliche Gott
Und leise beschwichtigend, den Finger am Mund,
Auf seinem Kissen von Staub und Moos
Die Gedanken schlafen heißt und ruhn die Wünsche.
Aietes.
Du willst nicht mit und ich soll dir glauben?
Ungeratene zittre!—Jason?
Medea.
Was fragst du mich wenn du's weißt.
Oder willst du's hören aus meinem Mund
Was ich bis jetzt mir selber verbarg,
Ich mir verbarg? die Götter mir bargen.
Laß dich nicht stören die flammende Glut,
Die mir, ich fühl' es die Wangen bedeckt,
Du willst es hören und ich sag' es dir.
Ich kann nicht im Trüben ahnen und zagen
Klar muß es sein um Medea, klar!
Man sagt—und ich fühle es ist so!—
Es gibt ein Etwas in des Menschen Wesen,
Das, unabhängig von des Eigners Willen,
Anzieht und abstößt mit blinder Gewalt;
Wie vom Blitz zum Metall, vom Magnet zum Eisen,
Besteht ein Zug, ein geheimnisvoller Zug
Vom Menschen zum Menschen, von Brust zu Brust.
Da ist nicht Reiz, nicht Anmut, nicht Tugend nicht Recht
Was knüpft und losknüpft die zaub'rischen Fäden,
Unsichtbar geht der Neigung Zauberbrücke
So viel sie betraten hat keiner sie gesehn!
Gefallen muß dir was dir gefällt
So weit ist's Zwang, rohe Naturkraft:
Doch steht's nicht bei dir die Neigung zu (rufen)
Der Neigung zu (folgen) steht bei dir,
Da beginnt des Wollens sonniges Reich
Und ich will nicht
(Mit aufgehobener Hand.)
Medea will (nicht)!
Als ich ihn sah, zum erstenmale sah,
Da fühlt' ich stocken das Blut in meinen Adern,
Aus seinem Aug, seiner Hand, seinen Lippen
Gingen sprühende Funken über mich aus
Und flammend loderte auf mein Innres.
Doch verhehlt' ich's mir selbst. Erst als er's aussprach,
Aussprach in der Wut seines tollen Beginnens,
Daß er liebe—
Schöner Name
Für eine fluchenswerte Sache!—
Da ward mir's klar und (darnach) will ich handeln.
Aber verlange nicht, daß ich ihm begegne,
Laß mich ihn fliehn—Schwach ist der Mensch
Auch der stärkste, schwach!
Wenn ich ihn sehe drehn sich die Sinne
Dumpfes Bangen überschleicht Haupt und Busen
Und ich bin nicht mehr, die ich bin.
Vertreib ihn, verjag' ihn, töt' ihn,
Ja, weicht er nicht, töt' ihn Vater
Den Toten will ich (schaun), wenn auch mit Tränen schaun
Den Lebenden nicht.
Aietes.
Medea!
Medea.
Was beschließest du?
Aietes (indem er ihre Hand nimmt).
Du bist ein wackres Mädchen!
Absyrtus (ihre andre Hand nehmend).
Arme Schwester!
Medea.
Was beschließest du?