Medea (in die Kniee sinkend).
Weh mir!
Jason.
Siehst du? du hast es selbst gewollt.
Erkenne deinen Meister, deinen Herrn!
(Medea liegt auf einem Kniee am Boden, auf das andre stützt sie den
Arm, das Gesicht mit der Hand bedeckend.)
Jason (hinzutretend).
Steh auf!—Du bist doch nicht verletzt?—Steh auf!
Hier sitz und ruh', (vermagst) du es zu ruhn!
(Er hebt sie vom Boden auf, sie sitzt auf der Rasenbank.)
Jason.
Umsonst versend' ich alle meine Pfeile
Rückprallend treffen sie die eigne Brust.
Wie hass' ich dieses Land, sein rauher Hauch
Vertrocknete die schönste Himmelsblume,
Die je im Garten blühte der Natur.
Wärst du in Griechenland, da wo das Leben
Im hellen Sonnenglanze heiter spielt,
Wo jedes Auge lächelt wie der Himmel,
Wo jedes Wort ein Freundesgruß, der Blick
Ein wahrer Bote wahren Fühlens ist,
Kein Haß als gegen Trug und Arglist, kein—
Und doch, was sprech ich? Sieh, ich weiß es wohl
Du bist nicht was du scheinen willst, Medea,
Umsonst verbirgst du dich, ich kenne dich!
Ein wahres, warmes Herz trägst du im Busen,
Die Wolken hier, sie decken eine Sonne.
Als du mich rettetest, als dich mein Kuß—
Erschrickst du?—Sich mich an!—Als dich mein Kuß!—
Ja deine Lippen hat mein Mund berührt,
Eh ich dich kannt', eh ich dich fast gesehn
Nahm ich mir schon der Liebe höchste Gabe;
Da fühlt' ich (Leben) mir entgegen wallen
Und du gibst trügerisch dich nun für (Stein)!
Ein wahres, warmes Herz schlägt dir im Busen
Du (liebst) Medea!
(Medea will aufspringen.)
Jason (sie niederziehend).
Bleib!—du liebst Medea!
Ich seh's am Sturmeswogen deiner Brust
Ich seh's an deiner Wangen Flammenglut
Ich fühl's an deines Atems heißem Wehn,
An diesem Beben fühl' ich es—du liebst,
Liebst (mich)! (Mich) wie ich (dich)!—ja wie ich (dich)!
(Er kniet vor ihr.)
Schlag deine Augen auf und leugne wenn du's kannst!
Blick' mich an und sag' nein!—du liebst Medea!