König (entschuldigend zu Gülnare).
Wohl das Neue unsers Anblicks—
Gülnare.
Laß ihn, Vater! Es erquickt mich,
Einen Mann beschämt zu sehn!
Oh, ich sah sie brüstend gehn,
Mit gedunsnen Worten prahlend,
Mit Versprechen Taten zahlend,
Doch kam der Erfüllung Zeit,
Wie war Held und Tat so weit!
Dieser kommt uns, als von oben,
In der Stunde der Gefahr,
Tut, was seiner würdig war,
Und verstummt, wenn wir ihn loben.
Vater, sag es selbst! fürwahr,
Stellt er nicht die Zeit dir dar,
Nicht die Zeit, die einst gewesen,
Und von der wir staunend lesen,
Wo noch Helden höhern Stammes,
Wo ein Rustan weltbekannt
In der Parsen Fabelland—
Zanga.
Rustan ist auch er genannt.
Gülnare.
Rustan! Hörst du, Vater? Rustan!
Oh, die Zeiten sind noch immer,
Wo, wenn Menschenkräfte enden,
Götter ihre Hilfe senden.
Er kommt uns von ihrer Hand.
(Zu ihrem Vater.)
Und so wird gefaßt dich finden,
Was soeben Boten künden:
Jener blut'ge Khan von Tiflis,
Mein Bewerber und mein Feind,
Hat in mächt'gen Heeres Mitten
Unsre Grenzen überschritten,
Hundert Völker stolz vereint,
Weil er hilflos uns vermeint.
(Auf Rustan zeigend.)
Hier die Hilfe! Hier der Hort!
Stell ihn an der Treuen Spitze,
Laß ihn tragen deine Blitze,
Mut sein Atem, Tat sein Wort;
Und die Deinen, neu ermutet,
Sehn mit Neid, wenn einer blutet,
Und sein Beispiel reißt sie fort.
(Zu Rustan.)
Sei mein Schützer, sei mein Retter,
Banne diese dunkeln Wetter,