Rustan.
Ist es denn so ungewöhnlich?

Mirza.
Ungewöhnlich? Das wohl nicht,
Aber schmerzlich drum nicht minder.
Sag ich mir gleich jeden Morgen:
Spät erst wird er wiederkehren,
Hoff ich dich doch immer früh;
Und der Wunsch und die Erwartung
Sind gar reich an Möglichkeiten.
Weil du ruhig bist und sorglos,
Glaubst du denn, wir wären's auch?
Immer fließen meine Tränen,
Was auch die Erfahrung spricht;
Für den Mut gibt's ein Gewöhnen,
Aber für die Sorge nicht.
Warum wendest du dich ab?

Rustan.
Horch! Mich dünkt, dein Vater ruft.

Mirza.
Ich soll gehn? Oh, komm du mit!
Du bist heiß, die Nachtluft kühl,
Und der müde Fuß will Ruhe.

Rustan.
Laß nur! Hier—

Mirza.
Nicht doch! Du sollst!
In der Hütte ruht sich's besser
Und das Abendessen wartet.
Komm! Der Vater zürnt nicht mehr,
Alles ist vergessen.—Komm!

(Mit Rustan in die Hütte ab.)

Zanga.
Deut mir eins der Liebe Werke,
Ob Verlust sie, ob Gewinn?
Gibt dem Weibe Männerstärke
Und dem Manne—Weibersinn! Sei's! Man muß nicht gleich
verzweifeln!

(Er folgt ihnen.)

(Das Innere der Hütte.
Im Mittelgrunde ein Tisch mit den Resten einer Abendmahlzeit und
Licht, an dessen einem Ende Massud nachdenklich sitzt. Rechts im
Hintergrunde ein Ruhebett.
Mirza führt Rustan herein; bald nach ihnen Zanga.)