Rustan.
Schon mein Vater war ein Krieger,
Meines Vaters Vater auch,
Und so fort durch alle Grade.
Ihr Blut pocht in diesen Adern,
Ihre Kraft stählt diese Faust,
Und ich soll hier müßig träumen,
Schauen, wie sich jedermann
Lorbeern pflückt vom Feld der Ehre,
Früchte bricht vom Lebensbaum,
Und mich selbst zur Ruh' verdammen?

Zanga.
Ihr sollt nicht! beim Himmel, nicht!
Wenn Ihr wollt, ei, Herr, so handelt!
Ja, wenn die da drin nicht wären!
Dieser Oheim, diese Muhme
Hängen Euch wie schwere Fesseln—

Rustan.
Laß uns von was anderm sprechen!
Von was anderm, Zanga.

Zanga.
Seht Ihr?
Da kommt Euer weiches Herz,
Und der Vorsatz ist zum Henker.
Oh, daß ich Euch draußen hätte,
Draußen aus dem dumpfen Tale,
Auf den Höhen, auf den Gipfeln,
In der unermeßnen Welt!
Herr, Ihr solltet anders sprechen!
Seht nur erst ein Schlachtgefild',
Hört nur erst Trompeten klingen,
Und es soll Euch Kraft durchdringen,
Wie sie diese Adern füllt.
Herr, ich war mal auch so wählig,
Als ich, freilich jung genug,
Meine ersten Waffen trug.
Ging im Kopf mir hin und her,
War das Herz mir zentnerschwer;
Als es hieß: dem Feind entgegen!
Schlug's da drin mit harten Schlägen,
Und die Nacht
Vor der Schlacht
Ward gar bange zugebracht.
Doch beim ersten Sonnenstrahl
Ward mir's klar mit einem Mal.
Ha! da standen beide Heere,
Zahllos, wie der Sand am Meere,
Still und stumm
Weit hinum,
Düster, wie das Nebelgrauen,
Das noch lag auf Feld und Auen.
Durch den Duftqualm sah man's blitzen
Von dem Strahl der Eisenspitzen,
Und als jetzt der Nebel wich,
Zeigte Roß und Reiter sich,
Da fühlt' ich mein Herz sich wandeln,
Jeder Zweifel war besiegt,
Klar ward's, daß im Tun und Handeln,
Nicht im Grübeln 's Leben liegt.
Und als nun erschallt das Zeichen,
Beide Heere sich erreichen,
Brust an Brust,
Götterlust!
Herüber, hinüber,
Jetzt Feinde, jetzt Brüder
Streckt der Mordstahl nieder.
Empfangen und geben,
Der Tod und das Leben
Im wechselnden Tausch,
Wild taumelnd im Rausch.
Die Lüfte erschüttert,
Die Erde zittert
Von Pferdegestampf,
Laut toset der Kampf.
Die Gegner, sie wanken,
Die Gegner, sie weichen,
Wir, mutig und jach
Den Fliehenden nach,
Über Freundes und Feindes Leichen. Jetzt auf weitem Feld
Der Würger hält,
Überschaut die gefallenen Ähren,
Doch kann er der Freude nicht wehren.
Sieg, rufet es, Sieg!
Herr, das heißt leben! Es lebe der Krieg!

Rustan.
Oh, halt ein! Du tötest mich!

Zanga.
Wenn so ein Gefangener,
Ein Verkaufter spricht, ein Sklave,
Was muß erst—doch still! Genug!

(Er zieht sich zurück.)
(Mirza kommt aus der Hütte.)

Mirza.
Rustan!

Rustan.
Ha, man kömmt!

Mirza.
Du bist es!
Konntest du so lange weilen?
Oh, wir zitterten um dich.