(Er hat ihm die Hand von den Augen weggezogen.)

Doch, Götter!
Das sind ja Tränen. Wie? Leander! Weinst?

Leander (der aufgestanden ist).
Laß mich und quäl mich nicht! Und sprich nicht ohne Achtung
Von ihrem Hals und Wuchs.—O ich bin dreifach elend!

Naukleros.
Leander! elend? Glücklich! Bist verliebt.

Leander.
Was sprachst du? Ich bin krank. Es schmerzt die Brust.
Nicht etwa innerlich. Von außen. Hier!
Hart an den Knochen. Ich bin krank, zum Tod.

Naukleros.
Ein Tor bist du, doch ein beglückter Tor!
Nun, Götter, Dank, daß ihr ihn heimgesucht!
Nun schont ihn nicht mit euern heißen Pfeilen,
Bis er mir ruft: Halt ein! es ist genug;
Ich will erdulden was die Menschen leiden!
Nun Freund, gib mir die Hand! Nun erst mein Freund;
Zu spät bekehrt durch allzu süße Wonnen.
Du Neugeborner, Glücklicher!—Doch halt!
Ein garstiger Fleck auf unsers Jubels Kleide.—
Komm mit zurück zur Stadt! dort sind die Mädchen,
Die wir beim Fest gesehn, noch all versammelt.
Dort sieh dich um, verlieb dich wie du magst.
Denn Freund, die Jungfrau, die dich jetzt erfüllt,
Ist Priesterin und hat an diesem Tag
Gelobt dem Manne sich auf ewig zu entziehn.
Und streng ist was ihr droht, wenn sie's vergaß,
Und was dem Manne, der's mit ihr vergessen.

Leander.
Ich wußt' es ja. Komm Nacht! Und so ist's aus.

Naukleros.
Aus? Wieder aus? Und eh' es noch begann?
Warum und wie? Friedfertiger Gesell,
Wagst du so wenig an die höchste Wonne?
Und sagst mir das mit zuckend fahlen Wangen
Und schlotterndem Gebein, und meinst ich glaub's?
Nun sollst du bleiben. Hier! Und sollst sie sprechen.
Wer weiß ist ihr Gelübd' so eng und fest
Und läßt sich lösen, folgt alsbald die Reue;
Wer weiß ist deine Liebe selbst so heiß,
Als jetzt sie scheint. Doch was es immer sei:
Du sollst nicht zagen, wo zu handeln not.
Zum mindsten kenne dein Geschick, und trag's,
Und lerne scheiden von den Knabenjahren.
Wir sind hier fremd. Komm mit! Wer darf uns tadeln,
Wenn wir des Wegs verfehlen, fragen, gehn?
Zuletzt gelangen wir ins Haus, zum Tempel,
Und stehn vor ihr, und hören was sie spricht.
Dort kommt ein Mädchen mit dem Wasserkrug
In ein und andrer Hand. Die laß uns fragen.
Sie weiß wohl—
Doch! Leander! Sohn des Glücks!
Was zerrst du mich? Bleib hier! Sie selber ist's,
Die Jungfrau, sie, die neue Priesterin.
Nach Wasser geht sie aus der heiligen Quelle,
Das liegt ihr ob. Ergreif den Augenblick
Und sprich! Nicht allzukühn, nicht furchtsam. Hörst du?
Ich will indes rings forschen durch die Büsche,
Ob alles ruhig, und kein Lauscher nah.
Komm hier! Und sag ich: jetzt! so tritt hervor
Und sprich.—Doch nun vor allem still.—Komm hier!

(Sie ziehen sich zurück.)

Hero (ohne Mantel, ungefähr wie zu Anfang des ersten Aufzuges
gekleidet,
kommt mit zwei leeren Wasserkrügen von der linken Seite des
Vorgrundes. Sie geht quer aber die Bühne und singt).
Da sprach der Gott:
Komm her zu mir,
In meine Wolken,
Neben mir.