Hero. Hier, also hier!
Priester. Sie haben,
Ich seh es, die Geräte dir versammelt,
Mit denen man der Priester Wohnung schmückt.
Hier Rollen reich mit weisem Wort beschrieben,
Dort Brett und Griffel, haltend Selbst-gedachtes.
Dies Saitenspiel sogar, ein altes Erbstück
Von deines Vaters Schwester und der meinen,
Einst Priesterin wie du an diesem Ort.
An Blumen fehlt es nicht. Hier liegt der Kranz,
Den du getragen bei der heut'gen Weihe.
Du findest alles was den Sinn erhebt,
Nicht Wünsche weckt und Wünsche doch befriedigt,
Den Göttern dienend, ihnen ähnlich macht.
(Auf die Seitentüre zeigend.)
Dies andere Gemach, es birgt dein Lager.
Dasselbe das die Kommende empfing
Am ersten Tag, vor sieben langen Jahren.
Das wachsen dich gesehn und reifen, blühn,
Und weise werden, still und fromm und gut.
Dasselbe das um rotgeschlafne Wangen
Die Träume spielen sah von einem Glück,
Das nun verwirklicht—doch du träumst auch jetzt.
Hero.
Ich höre guter Ohm.
Priester. Gesteh ich dir's?
Ich dachte dich erfreuter mir am Abend
Des sel'gen Tags, der unser Wünschen krönt.
Was wir gestrebt, gehofft, du hast, du bist es;
Und statt entzückt, find ich dich stumm und kalt.
Hero.
Du weißt, mein Ohm, wir sind nicht immer Herr
Von Stimmungen, die kommen, wandeln, gehn,
Sich selbst erzeugend und von nichts gefolgt.
Das Höchste, Schönste, wenn es nun erscheint,
Indem es anders kommt, als wir's gedacht,
Erschreckt beinah, wie alles Große schreckt.
Doch gönne mir nur eine Nacht der Ruh',
Des Sinnens, der Erholung, und, mein Ohm,
Du wirst mich finden, die du sonst gekannt.
Der Ort ist still, die Lüfte atmen kaum;
Hier ebben leichter der Gedanken Wogen,
Der Störung Kreise fliehn dem Ufer zu,
Und Sammlung wird mir werden, glaube mir.
Priester.
Sammlung? Mein Kind, sprach das der Zufall bloß?
Wie, oder fühltest du des Wortes Inhalt,
Das du gesprochen, Wonne meinem Ohr?
Du hast genannt den mächt'gen Weltenhebel
Der alles Große tausendfach erhöht,
Und selbst das Kleine näher rückt den Sternen.
Des Helden Tat, des Sängers heilig Lied,
Des Sehers Schaun, der Gottheit Spur und Walten,
Die Sammlung hat's getan und hat's erkannt,
Und die Zerstreuung nur verkennt's und spottet.
Spricht's so in dir? Dann, Kind, Glück auf!
Dann wirst du wandeln hier, ein selig Wesen.
Des Staubes Wünsche weichen scheu zurück;
Und wie der Mann, der abends blickt gen Himmel,
Im Zwielicht noch, und nichts ersieht als Grau,
Farbloses Grau, nicht Nacht und nicht erleuchtet;
Doch schauend unverwandt, blinkt dort ein Stern
Und dort ein zweiter, dritter, hundert, tausend,
Die Ahnung einer reichen, gotterhellten Nacht,
Ihm nieder in die feuchten, sel'gen Augen.
Gestalten bilden sich und Nebel schwinden,
Der Hintergrund der Wesen tut sich auf,
Und Götterstimmen, halb aus eigner Brust
Und halb aus Höhn, die noch kein Blick ermaß—
Hero.
Du weißt, mein Ohm, nicht also kühnen Flugs
Erhebt sich mir der Geist. So viel nicht hoffe!
Allein was not, und was mir auferlegt,
Gedenk ich wohl zu tun. Des sei gewiß.
Priester.
Wohlan auch das. Ist's gleich nicht gut und recht,
Beim Anfang einer Bahn das Ziel so nah,
So ärmlich nahe sich das Ziel zu setzen.
Doch sei's, für jetzt. Nur noch dies eine merk:
Bei allem was dir bringt die Flucht der Tage,
Den ersten Anlaß meid! Wer taten-kräftig
Ins rege Leben stürzt, wo Mensch den Menschen drängt,
Er mag Gefahr mit blankem Schwerte suchen,
Je härtrer Kampf, so rühmlicher der Sieg.
Doch wessen Streben auf das Innre führt,
Wo Ganzheit nur des Wirkens Fülle fördert,
Der halte fern vom Streite seinen Sinn,
Denn ohne Wunde kehrt man nicht zurück,
Die noch als Narbe mahnt in trüben Tagen.
Der Strom, der Schiffe trägt und Wiesen wässert,
Er mag durch Felsen sich und Klippen drängen,
Vermischen sich mit seiner Ufer Grund,
Er fördert, nützt, ob klar, ob trüb verbreitet:
Allein der Quell, der Mond und Sterne spiegelt,
Zu dem der Pilger naht mit durst'gem Mund,
Die Priesterin, zu sprengen am Altar;
Der wahre rein die ewig lautern Wellen,
Und nur bewegt, ist ihm auch schon getrübt. Und so schlaf wohl!
Bedarfst du irgend Rat,
Such ihn bei mir, bei deinem zweiten Vater.
Doch stießest du des Freundes Rat zurück,
Du fändest auch in mir den Mann, der willig,
Das eigne Blut aus diesen Adern gösse,