Naukleros.
Dein Haar ist feucht, die schweren Kleider kleben.
Du warst im Meer.

Leander. Wie bündig schließt der Mann!

(Er geht während des Folgenden nach rückwärts zum Baume und legt Stab und Schleier auf einer Erderhöhung unter dem Götterbilde nieder.)

Naukleros (seinen Bewegungen folgend).
Im Meer!—Weshalb?—Du warst doch nicht?—Leander!
Weißt du? Sie senden Späher aus von Sestos,
An unserm Ufer hat man ihrer schon gesehn.
Wenn nun so weit, bis über Meeresgrenze
Ihr Argwohn reicht, um wieviel strenger denkst du
Das jenseits dir bewacht, uns feind von je?
Der wär' ein Tor, der irgend es versuchte,
Zu stürzen sich ins aufgespannte Netz.
Dann aber: wie?

Leander (der wieder zurückgekommen ist, nach rückwärts sprechend).
Bewahre mir's, du Gott!

Naukleros.
Noch einmal: wie? Du weißt, ich brach das Steuer
Von deinem Kahn, und alle Nachbarn hielten
Auf mein Gesuch die Nachen unterm Schloß.
Wenn nun zu Schiffe nicht, wie sonst? Denn schwimmend,
Leander schwimmend—Kennst du auch den Raum,
Der trennt Abydos' Strand von Sestos' Küste?
Kein Lebender kommt lebend drüben an,
Denn hielte auch die Kraft, so starren Klippen,
Die reichen rings, soweit das Ufer reicht,
Kein Ruheplatz, noch Anfurt, keine Stelle,
Die sichre Landung beut.

Leander. Sieh nur! so schroff?

Naukleros.
Nun ja, ein Ort ist zwischen scharfen Klippen,
Dort mag ein Glückskind, das ihn nicht verfehlt,
In finstrer Nacht, dort mag dem Land er nahn.
Ein Turm steht da, voreinst zum Schutz gebaut;
Jetzt wohnt die Priesterjungfrau drin, die einst wir
Im Haine sahn. Du wohl seitdem—Leander!
Birg nicht dein Aug'! Zu spät! Denn es gestand. Nun, du warst
dort heut nacht, statt hier zu ruhn,
Fandst glücklich aus den einz'gen Platz der Landung,
Und standst am Turm, den feuchten Blick empor,
Liebäugelnd mit dem Licht in ihrer Kammer.
Sahst ihre Schatten an den Wänden fliehn,
Beglückt, um höhern Preis nicht, als den Tod,
Im Übermaß von so viel Glück zu schwelgen.

Leander.
Armseliger!

Naukleros. Auch das! Die Schildrung war zu schwach.
Du sahst sie, sprachst mit ihr, fandst Haus und Pforte
Geöffnet, unbewacht, tratst ein—