Leander (sich in seine Arme werfend).
Naukleros!
Fühlst du den Kuß? Und weißt du, wer ihn gab?

Naukleros.
Laß ab! Dein Kuß ist Tod.

Leander. So furchtsam?
Naukleros feig?

Naukleros. Nun ja, ich seh es wohl, wir haben,
Die Plätze haben wir getauscht. Ich furchtsam,
Du kühn; Leander frohen Muts, Naukleros—
Ich werde doch nicht gar noch weinen sollen?
Wohlan, geh in den Tod! Nur eines,
Ein einziges versprich mir: Dieses Mal,
Diesmal such mir ihn nicht. Bleib fern von Sestos.
Damit, wenn du nun daliegst bleich und kalt,
Ich mir nicht sagen müsse: Du warst's, du,
Der treulos seine Freundespflicht versäumt,
Ihm selber wies die todgeschwellten Früchte,
Selbst wob das Netz, das klammernd ihn umfing.

(Ein Knie zur Erde gebeugt.)

Leander!

Leander. Bist du krank? Was kommt dir an?

Naukleros.
Hast du doch recht, und fürder auch kein Wort!
Wer spräch' auch wohl zum brandend tauben Meer,
Zum lauten Sturm, dem wilden Tier der Wüste,
Das achtlos folgt der angebornen Gier.
Darum kein Wort! Nur, denkst du irgend noch
Der Freundschaft, die uns einst—

Leander. Naukleros, einst?

Naukleros.
Laß das! Es spricht die Tat. Schein ich dir irgend
Noch eines kleinen, armen Dienstes wert:
Tu mir die Lieb' und öffne jene Tür.