Wie schön du brennst, o Lampe, meine Freundin!
Noch ist's nicht Nacht, und doch geht alles Licht,
Das rings umher die laute Welt erleuchtet,
Von dir aus, dir, du Sonne meiner Nacht.
Wie an der Mutter Brust hängt alles Wesen
An deinem Umkreis, saugend deinen Strahl. Hier will ich sitzen,
will dein Licht bewahren,
Daß es der Wind nicht neidisch mir verlöscht.
Hier ist es kühl, im Turme schwül und schläfrig,
Die dumpfe Luft drückt dort die Augen zu.
Das aber soll nicht sein, es gilt zu wachen.

(Sie sitzt.)

Sie haben mich geplagt den langen Tag
Mit Kommen und mit Gehn. Nicht absichtslos!
Allein weshalb? warum? Ich weiß es nicht.

(Den Kopf in die Hand gesenkt.)

Doch immerhin! Drückt erst nicht mehr die Stirn,
Erkenn ich's wohl. Und dann—soll auch—wenn nur—

(Emporfahrend.)

Was ist? Wer kommt?—Ich bin allein. Der Wind nur
Weht schärfer von der See.—So besser denn,
Treibst du den Holden früher ans Gestade.
Die Lampe brennt noch hell. Pfui, wer wird träumen?
Hellauf und frisch! Der Liebe süße Wacht.

(Den Kopf wieder in die Hand gestützt.)

Genau besehn, wollt' ich, er käme nicht.
Ihr Argwohn ist geweckt, sie lauern, spähn.
Wenn sie ihn träfen—Mitleidsvolle Götter!
Drum wär' es besser wohl, er käme nicht.
Allein er wünscht's, er flehte, bat. Er will's.
Komm immer denn, du guter Jüngling, komm!
Ich will dich hüten, wie der jungen Schar
Die Glucke schützt, und niemand soll dir nahn,
Niemand, als ich allein; und nicht zu schäd'gen;
Bewahr! bewahr!—Ich bin doch müd'.
Es schmerzt der Fuß. Löst niemand mir die Schuh?

(Sie zieht einen Fuß auf die Ruhebank.)