Janthe. O mir!
Priester.
Da's nun geschehn.
Hero. Geschehen? Nein!
Priester. Es ist!
Die Götter laut das blut'ge Zeugnis gaben,
Wie sehr sie zürnen, und wie groß dein Fehl;
So laß in Demut uns die Strafe nehmen;
Das Heiligtum, es teile nicht die Makel,
Und ew'ges Schweigen decke was geschehn.
Hero.
Verschweigen ich, mein Glück und mein Verderben,
Und frevelnd unter Frevlern mich ergehn?
Ausschreien will ich's durch die weite Welt,
Was ich erlitt, was ich besaß, verloren,
Was mir geschehn, und wie sie mich betrübt.
Verwünschen dich, daß es die Winde hören
Und hin es tragen vor der Götter Thron.
Du warst's, du legtest tückisch ihm das Netz,
Ich zog es zu, und da war er verloren.
Wo brachtet ihr ihn hin? ich will zu ihm!
(Der Tempelhüter und mehrere Diener führen Naukleros herbei. Der
Hüter geht gleich darauf nach der linken Seite ab.)
Hero.
Ha du! o Jüngling! Suchst du deinen Freund?
Dort lag er, tot! Sie tragen ihn von dannen.
Naukleros.
O Schmerz!
Hero. Ringst du die Hände, da's zu spät?
Du staunst? Du klagst? Ja, läss'ger Freund!
Er gab sich hin dem wildbewegten Meer,
Beschützt von keinem Helfer, keinem Gott,
Und tot fand ich ihn dort am Strande liegen.
Und fragst du wer's getan? Sieh! dieser hier,
Und ich, die Priesterin, die Jungfrau—So?—
Menanders Hero, ich, wir beide taten's.
Mit schlauen Künsten ließ er mich nicht ruhn,
Versagte mir Besinnen und Erholung;
Ich aber trat in Bund mit ihm und schlief.
Da kam der Sturm, die Lampe löscht' er aus,
Das Meer erregt' er wild in seinen Tiefen,
Da jener schwamm, von keinem Licht geleitet.
Die schwarzen Wolken hingen in die See,
Das Meer erklomm, des Schadens froh, die Wolken,
Die Sterne löschten aus, ringsum die Nacht.
Und jener dort, der Schwimmer sel'ger Liebe
Nicht Liebe fand er, Mitleid nicht im All.
Die Augen hob er zu den Göttern auf,
Umsonst! Sie hörten nicht, wie? oder schliefen?
Da sank er, sank. Noch einmal ob den Wogen,
Und noch einmal, so stark war seine Glut.
Doch allzumächtig gegen ihn der Bund
Von Feind und Freund, von Hassern und Geliebten.
Das Meer tat auf den Schlund, da war er tot.
O ich will weinen, weinen, mir die Adern öffnen,
Bis Tränen mich und Blut, ein Meer, umgeben;
So tief wie seins, so grauenhaft wie seins,
So tödlich wie das Meer, das ihn verschlungen.
Naukleros.
Leander, oh, mein mildgesinnter Freund!