Graf.
Du sagst viel mit wenig Worten.
Also recht! Du bist mein Mann!
Sieh, mein Sohn, ich bin ein Greis.
Die Natur winkt mir zu Grabe,
Und ein dunkel, dumpf Gefühl
Nennt mir nah des Lebens Ziel.
Nie hab ich dem Tod gezittert,
Und auch jetzt schreckt er mich nicht.
Doch dies Mädchen, sie mein Kind.
Könntest du in meinen Tränen,
Hier in meinem Herzen lesen
Was sie alles mir gewesen,
Du verstündest meinen Schmerz.
Daß ich sie allein muß lassen
In der unbekannten Welt,
Macht dem Tode mich erblassen,
Das ist's was so tief mich quält.
Sohn, auf dich ist ihrer Neigung
Schlaferwachtes Aug' gefallen;
Du weißt ihren Wert zu schätzen,
Weißt zu schützen was dir wert;
Du gabst einmal schon dein Leben
Und wirst's freudig wieder geben,
Wenn das Schicksal winkt, für sie.
Dir vertrau ich dieses Kleinod,
Sohn du liebst sie?
Jaromir.
Wie mein Leben!
Graf.
Und du ihn?
Berta.
Mehr als mich selbst.
Graf.
Mög' denn Gottes Finger walten!
Nimm sie hin, die du erhalten!
(Schläge ans Haustor.)
Graf.
Was ist das?—Wer naht so spät
Noch sich dieses Schlosses Toren!
Berta.
Gott, wenn etwa—
Graf.
Sei nicht kindisch.
Glaubst du wohl, verdächtig Volk
Wage sich an feste Schlösser,
Wohlverwahrt und wohlbemannt.
Günther (kömmt).
Herr, ein königlicher Hauptmann
An der Spitze seines Haufens
Bittet Einlaß an der Pforte.