Jaromir.
Süßes Wesen!—
(Sie bindet ihm die Schärpe um.)
Graf (hinüberblickend).
Wie sie glüht!
Wie es sie hinüberzieht!
Aller Widerstand genommen
Und im Strudel fortgeschwommen.
Nun Wohlan, es sei! Der Himmel
Scheint mir selbst den Weg zu zeigen,
Den ich wandeln soll und muß.
Stemmt gleich manches sich entgegen,
Glimmt gleich in der tiefsten Brust
Noch verborgen mancher Funke
Von der einst so mächt'gen Glut.
Töricht Treiben! Eitles Trachten!
Der Palast ist eingesunken,
Kaum noch geben seine Trümmer
Eine Hütte für mein Kind.
Wohl es sei! Ach wie so schwer
Lösen sich die Hoffnungen,
In der Jugend Lenz empfangen,
Holde Zeichen, eingegraben
In des Bäumchens frische Rinde,
Aus des Alters morscher Brust.
Als sie mir geboren ward
Und vor mir lag in der Wiege
Freundlich lächelnd, schön und hold,
Wie durchlief ich im Gedanken
Die Geschlechter unsers Landes,
Sorgsam wählend, kindisch suchend
Nach dem künftigen Gemahl.
Fand den Höchsten noch zu niedrig,
Kaum den Besten gut genug:
Damit ist's nun wohl vorbei!
Ach, ich fühl es wohl, wir scheiden
Kaum so schwer von wahren Freuden,
Als von einem schönen Traum!
Berta (an der Schärpe musternd).
Halt mir still, du Ungeduld'ger!
Graf.
Und ziemt mir so ekles Wählen?
Wenn es wahr was er gesprochen,
Was im Nebel der Erinnrung
Aus der fernen Jugendzeit
Unbestimmt, in sich verfließend
Meine Stirn vorüberschwebt;
Wenn sie wahr die alte Sage,
Daß der Name, den ich trage,
Der mein Stolz war und mein Schmuck,
Nur durch tief geheime Sünden—
Fort Gedanke!—Ha, und doch, und doch!
Berta (ihr Werk betrachtend).
So nun steht es schön und gut.
Aber nun sei mir auch freundlich,
Daß mich nicht die Arbeit reue!
Graf.
Jaromir!
Jaromir (aufgeschreckt).
Was!—Ihr Herr Graf!
Graf.
Noch bist du uns Kunde schuldig
Von den Deinen, deiner Abkunft.
Jaromir von Eschen heißt du,
Fern am Rhein wardst du geboren,
Dienste suchst du hier im Heer,
So erzählte mir mein Mädchen,
Aber weiter weiß ich nichts.
Jaromir.
Ist doch weiter auch nichts übrig.
Mächtig waren meine Ahnen,
Reich und mächtig. Arm bin ich.
Arm, so arm, daß wenn dies Herz,
Ein entschloßner kräft'ger Sinn
Und ein schwergeprüfter, doch vielleicht
Grade darum festrer Wille
Nicht für etwas gelten können,
Ich nichts habe und nichts bin.