Graf.
Ins Freie
Mit Euch auf der Räuber Spur.

Hauptmann.
Wie, Ihr wolltet?

Graf.
Was ich muß.
Bin ich nicht Vasall des Königs?
Und ich kenne meine Pflicht
Minder nicht als Ihr die Eure.
Drum ohn' eine zweite Mahnung
Laßt uns gehen—

Berta.
O mein Vater!
So bedenkt doch!

Graf.
Still, mein Kind!
Hier hör ich nur eine Stimme
Und die hat bereits gesprochen.—
Kommt mein Herr, und sagt dem König,
Daß ich Graf von Borotin
Kein Genoß von Räubern bin,
Sagt, daß in des Löwen Höhle,
Statt des kräftigen, gesunden
Einen welken Ihr gefunden,
Der gebeugt und hilflos zwar (aufgerichtet)
Aber doch noch Löwe war.

(Ab mit dem Hauptmann.)

Berta. Ach er geht, er hört nicht, geht!
Läßt mich hier allein zurück,
Der Verzweiflung preisgegeben
Und der Sorge Natterzahn.

Soll ich für den Vater beben,
Fürchten was dem Trauten droht?
Hab doch nur dies eine Leben
Warum zweifach mir den Tod!
(An der Türe von Jaromirs Gemach)
Jaromir! Mein Jaromir!
Keine Antwort, alles stille,
Alles schweigend wie das Grab.

Wie bezähm ich diese Angst,
Wie bezähm ich dieses Bangen,
Das mir schwül wie Wetterwolken
Auf der schweren Brust sich lagert.

O ich seh es in der Ferne,
Es verhüllen sich die Sterne,
Es erlischt des Tages Licht,
Der erzürnte Donner spricht,
Und mit schwarzen Eulenschwingen
Fühl ich es gehaltnen Flugs
Sich um meine Schläfe schlingen.
O ich kenn dich finstre Macht,
Ahne was du mir gebracht,
Muß ich's vor die Seele führen!
O es heißt, es heißt verlieren,
Und des Unheils ganzes Reich
Kennt kein Schrecken deinem gleich
Weh! Besitzen und verlieren!
Besitzen und verlieren!—