Berta.
Reiß mich doch aus dieser Angst!
Wo wardst du, und wie verwundet?

(Ihre Augen begegnen den seinigen, er wendet sich schnell ab.)

Berta.
Du erbebst? du kehrst dich ab?

Jaromir (einige Schritte sich entfernend).
Nein ich kann nicht, kann nicht, kann nicht!
Seh ich diese reinen Züge,
Senkt zu Boden sich mein Blick
Und der finstre Geist der Lüge
Kehrt zur finstern Brust zurück.
Hölle! eh' du das begehrst,
Laß zuvor dies Herz sich wandeln,
Und soll ich als Teufel handeln,
Mache mich zum Teufel erst!

Berta.
Jaromir, ich laß dich nicht!
Steh mir Rede, gib mir Antwort!
Wo wardst du und wie verwundet?

Jaromir (mit gesenktem Aug').
Schlafend ritzt' ich mich am Arme.

Berta.
Schlafend? Du hast nicht geschlafen!
Sieh, ich war in deiner Kammer,
Du warst fort, das Fenster offen!

Jaromir (erschreckend).
Ha!

Berta.
Geliebter, laß mich's wissen!
O du weißt nicht, welche Bilder
Schwarz vor meine Seele treten.
Heiß sie weichen! Heiß sie fliehn!
Wo wardst du, und wie verwundet?

Jaromir (mit Bedeutung).
Du begehrst's, so sei es denn! (Mit Absätzen.)
Angelangt in meiner Kammer
Hört' ich schießen, klirren, schreien—
Deinen Vater wußt' ich unten—
Wollte helfen—schützen—retten—
Weiß kaum selbst mehr was ich wollte. (Gefaßter.)
Wie ich nun so sinnend stehe,
Da gewahr ich einer Linde,
Die die frostentlaubten Aste
Bis zu jenem Fenster streckt.
Ich ergriff die starken Zweige,
Die sie hilfreich bot, und steige,
Unbesonnen, unbedacht
Rasch hinunter in die Nacht.
Hundert Schritte kaum gegangen—
Fällt ein Schuß—Ob Freund ob Feind—
Weiß ich nicht—genug—er traf.
Da erwacht' ich zur Besinnung,
Sah mit Schreck was ich gewagt.
Weiter gehen schien gefährlich,
Drum eilt' ich zurück zur Linde,
Die herab mir half, und finde
Auch den Rückweg so zurück.