Berta.
Zufall
Ließ mich drauf ihn wieder finden.
Bald—nicht bloß der Zufall mehr.

Graf.
Warum flieht er deines Vaters,
Seines Freundes Angesicht.

Berta.
Obgleich edlem Stamm entsprossen,
Nur des Hauses edler Stolz,
Nicht sein Gut kam auf den Erben.
Arm und dürftig wie er ist,
Fürchtet er, hört' ich ihn sagen,
Daß der reiche Borotin
Andern Lohn für seine Tochter,
Als die Tochter selber zahle.

Graf.
Ich weiß Edelmut zu ehren,
Wenn er sich und andre ehrt.
Bring ihn mir, er soll erfahren,
Daß dem reichen Borotin
Er sein reichstes Gut erhalten,
Soll erfahren, daß dein Vater
Für das Gold der ganzen Welt
Dich nicht für bezahlet hält.—
Doch jetzt, Berta, nimm die Harfe
Und versuch es, meinen Kummer
Um ein Stündchen zu betrügen.
Spiel ein wenig, liebe Tochter!

(Berta nimmt die Harfe. Bald nach den ersten Akkorden nickt der Alte und schlummert ein. Sobald er schläft stellt Berta die Harfe weg.)

Berta.
Schlummre ruhig, guter Vater!
Daß doch all die süßen Blumen,
Die du streust auf meinen Pfad,
Dir zum Kranze werden möchten
Auf dein sorgenschweres Haupt.—
Ich soll also ihm gehören,
Mein ihn nennen, wirklich mein?
Und das Glück, das schon als Hoffnung
Mir der Güter größtes schien,
Gießt in freudiger Erfüllung
Mir sein schwellend Füllhorn hin!

Ich kann's nicht fassen,
Mich selber nicht fassen,
Alles zeigt mir und spricht mir nur ihn,
Den Wolken, den Winden
Möcht' ich's verkünden,
Daß sie's verbreiten so weit sie nur ziehn!

Mir wird's zu enge
In dem Gedränge
Fort auf den Söller, wie lastet das Haus;
Dort von den Stufen
Will ich es rufen
In die schweigende Nacht hinaus.

Und naht der Treue,
Dem ich mich weihe,
Künd ich ihm jubelnd das frohe Geschick
An seinem Munde
Preis ich die Stunde
Preis ich die Liebe, preis ich das Glück. (Ab.)

(Pause.—Die Ahnfrau, Bertan an Gestalt ganz ähnlich, und in der Kleidung nur durch einen wallenden Schleier unterschieden, erscheint neben dem Stuhle des Schlafenden und beugt sich schmerzlich über ihn.)