Jaromir (die Türe öffnend).
Ist er fort?—Was fehlt dir Berta?
Berta (deutet mit abgewandten Blicken auf das am Boden liegende
Schnupftuch hin).
Jaromir (es aufhebend).
Meine Schärpe!
Berta (hält ihm das abgerissene Stück vor, mit bebender Stimme).
Räuber!
Jaromir (zurücktaumelnd).
Ha!
Nun wohlan, es ist geschehn!
Wohl, der Blitzstrahl hat geschlagen,
Den die Wolke lang getragen,
Und ich atme wieder frei.
Fühl ich gleich es hat getroffen,
Ist vernichtet gleich mein Hoffen,
Doch ist's gut, daß es vorbei!
Jene Binde mußte reißen
Und verschwinden jener Schein;
Soll ich zittern das zu heißen,
Was ich nicht gebebt zu sein?
Nun braucht's nicht mehr zu betrügen,
Fahret wohl ihr feigen Lügen,
Ihr wart niemals meine Wahl:
Daß ich es im Innern wußte,
Und es ihr verschweigen mußte,
Das war meine gift'ge Qual.
Wohl, der Blitzstrahl hat geschlagen,
Das Gewitter ist vorbei;
Frei kann ich nun wieder sagen
Was ich auf der Brust getragen,
Und ich atme wieder frei.—
Ja ich bin's, du Unglücksel'ge,
Ja ich bin's, den du genannt!
Bin's den jene Häscher suchen,
Bin's dem alle Lippen fluchen,
Der in Landmanns Nachtgebet
Hart an an dem Teufel steht;
Den der Vater seinen Kindern
Nennt als furchtbares Exempel,
Leise warnend: Hütet euch,
Nicht zu werden diesem gleich!
Ja ich bin's, du Unglücksel'ge,
Ja ich bin's, den du genannt!
Bin's den jene Wälder kennen,
Bin's den Mörder: Bruder nennen,
Bin der Räuber Jaromir!
Berta. Weh mir, wehe!
Jaromir.
Bebst du Mädchen?
Armes Kind, schon bei dem Namen
Faßt es dich mit Schauder an?
Laß dich nicht so schnell betören,
Was du schauderst anzuhören,
Mädchen, das hab ich getan!
Dieses Aug', des deinen Wonne,
War des Wanderers Entsetzen;
Diese Stimme, dir so lieblich,
War des Räuberarms Gehilfin
Und entmannte bis er traf;
Diese Hand, die sich so schmeichelnd
In die deinige getaucht,
Hat von Menschenblut geraucht!
Schüttle nicht dein süßes Haupt,
Ja ich bin's, du Unglücksel'ge!
Weil die Augen Wasser blinken,
Weil die Arme kraftlos sinken,
Weil die Stimme bebend bricht,
Glaubst du, Kind, ich sei es nicht?
Ach der Räuber hat auch Stunden,
Wo sein Schicksal, ganz empfunden,
Solche Tropfen ihm erpreßt.
Berta, Berta, glaube mir,
Dessen Augen jetzt in Weinen
Fruchtlos suchen nach den deinen,
Ist der Räuber Jaromir!
Berta.
Himmel! Fort!