Jaromir.
Ja du hast recht!
Fast vergaß ich wer ich bin!
Feige Tränen fahret hin!
Darf ein Räuber menschlich fühlen?
Darf sein heißes Auge kühlen
Einer Träne köstlich Naß?
Fort! Von Menschen ausgestoßen,
Sei dir auch ihr Trost verschlossen,
Dir Verzweiflung nur und Haß!
Wie ich oft mit mir gestritten,
Wie gerungen, wie gelitten,
Darnach frägt kein Menschenrat.
Vor des Blutgerichtes Schranken
Richtet man nicht die Gedanken,
Richtet man nur ob der Tat!
Nun, so weiht mich eurem Grimme,
Willig steig ich aufs Schafott,
Doch zu dir ruft meine Stimme,
Auf zu dir du heil'ger Gott!
Du hörst gütig meine Klagen,
Dir Gerechter will ich's sagen,
Was mein wunder Busen hegt,
Du, mein Gott, wirst gnädig richten,
Und ein Herz nicht ganz vernichten,
Das in Angst und Reue schlägt.
Unter Räubern aufgewachsen,
Groß gezogen unter Räubern,
Früh schon Zeuge ihrer Taten,
Unbekannt mit milderm Beispiel,
Mit dem Vorrecht des Besitzes,
Mit der Menschheit süßen Pflichten,
Mit der Lehre Lebenshauch,
Mit der Sitte heil'gem Brauch;
Wirst du wohl den Räuberssohn,
Wirst Gerechter ihn verdammen,
Menschenähnlich, schroff und hart,
Wenn er selbst ein Räuber ward!
Ihn verdammen, wenn er übte,
Was die taten, die er liebte,
Und an seines Vaters Hand,
Dem Verbrechen sich verband.
Weißt du doch, wie beim Erwachen
Aus der Kindheit langem Schlummer,
Er mit Schrecken sich empfand,
Seinem schwarzen Lose fluchte,
Zweifelnd einen Ausweg suchte,
Suchte, Himmel, und nicht fand.
Weißt du doch, wie seit den Stunden,
Als ich sie, ich sie gefunden,
Die mich nun bei dir verklagt,
Meinem wüsten Tun entsagt;
Weißt du—Doch wozu die Worte!
Wie mein Herz auch schwellend bricht,
Bleibt versperrt des Mitleids Pforte,
Du weißt alles, ew'ges Licht,
Und die Harte hört mich nicht.
Ab von mir bleibt sie gewendet.—
Nun wohlan, so sei's vollendet!
Ach, geendet ist's ja doch!
Ob mein Blut die Erde rötet:
Hat doch sie mich schon getötet,
Henker, sprich! Was kannst du noch?
(Geht rasch der Türe zu.)
Berta (aufspringend).
Jaromir!—Halt ein!
Jaromir.
Was hör ich?
Das ist meiner Berta Blick!
Ihre Stimme tönt mir wieder,
Und auf goldenem Gefieder
Kehrt das Leben mir zurück.
(Auf sie zueilend.)
Berta! Berta! Meine Berta!
Berta.
Laß mich!
(Sie eilt fliehend gegen den Vorgrund. Jaromir erreicht sie und faßt ihre Hand, die sie nach einigem Widerstreben in seiner läßt. Sie steht mit abgewandtem Gesichte.)