Berta (knieend).
Heil'ge Mutter aller Gnaden,
Laß mich dir mein Herz entladen,
Aus mich schütten meinen Schmerz;
Mild, mit weichem Finger streife
Von der Brust den Kummer, träufe
Balsam in dies wunde Herz!
Günther.
Rund herum im Kreis sie stehen,
Jeder Ausweg ist verstellt.
Da mag keiner wohl entgehen,
Wie er sich verborgen hält.
Berta (in steigender Angst).
Hüll ihn ein in deinen Schleier
Den Geliebten, mir so teuer,
Er ist ja zurückgekehrt!
Wollest gnädig ihn bewahren!
Führ ihn durch der Späher Scharen,
Führ ihn durch der Feinde Schwert!
Günther.
Wär' doch Euer Vater hier.
Daß es ihn hinausgetrieben!
Wär' er doch bei uns geblieben,
Wenn—mit Schaudern denk ich's mir!
Berta.
Schau herab vom Sternensitze,
Und auch ihn, auch ihn beschütze,
Dem man schon so viel geraubt;
Was den Teuern, Lieben dräuet,
Sei auf dieses Haupt gestreuet,
Sei gelegt auf dieses Haupt!
Günther.
Jetzt scheint etwas auf gespürt!
Alles eilt der Mauer zu.
Setzt er sich auch noch zur Wehr,
Der entkömmt wohl nimmermehr.
Berta (in höchster Angst, fast schreiend).
Wend es ab!—Ach, wende! wende!
Hier erheb ich meine Hände.
Oder ende!—ende!—ende!
(Pause.—Beide horchen mit der gespanntesten Aufmerksamkeit. Berta richtet sieh langsam auf.)
Günther.
Horch!—Ein Schrei!
Berta.
Ein Schrei!