Vierter Aufzug
Halle wie in den vorigen Aufzügen. Lichter auf dem Tische. Berta sitzt, den Kopf in die flachen Hände und diese auf den Tisch gelegt.
Günther (kommt).
Ihr seid hier, mein gnäd'ges Fräulein?
Mögt Ihr weilen so allein
In den düsteren Gemächern
Und in dieser, dieser Nacht?
Wahrlich, eine schreckenvollre
Hat dies Aug' noch nie gesehn.
Wimmernd heult der Sturm von außen
Und im Innern schleicht Entsetzen
Sinnverwirrend durch das Schloß.
Auf den dunkeln Stiegen rauscht es,
Durch die öden Gänge wimmert's,
Und im Grabgewölbe drunten
Poltert's mit den morschen Särgen,
Daß das Hirn im Kreise treibt
Und das Haar empor sich sträubt.
Manches steht uns noch bevor,
Wandelt doch die Ahnfrau wieder;
Und man weiß aus alten Zeiten,
Daß das Großes zu bedeuten,
Schweres anzukünden hat,
Unglück oder Freveltat!
Berta.
Unglück oder Freveltat?
Unglück, ach und Freveltat.—
Reichte nicht das Unglück hin
Dieses Dasein zu vernichten,
Warum noch den schweren Frevel
Laden auf die wunde Brust?
Warum, du gerechtes Wesen,
Noch mit des Gewissens Fluch
Deinen harten Fluch verschärfen?
Warum, Gott, zwei Blitze werfen,
Wo's an einem schon genug?
Günther.
Ach, und Euer grauer Vater
Draußen in dem Wintersturm
Bloßgestellt der Wut des Wetters
Und der blut'gen Räuber Dolch!
Berta.
Dolch?—Was sagst du?—Welcher Dolch?
Gab ich? Nahm er nicht?
Günther.
Liebes Fräulein,
Laßt den Mut nicht ganz entweichen!
Alle diese trüben Zeichen
Sind ja doch nur Wetterwolken,
Die des Sturmes Nahn verkünden:
Doch nicht alle Donner zünden,
Und des Blitzes glühnder Brand
Liegt in Gottes Vaterhand.
Berta.
Du hast recht.—In Gottes Hand!
Du hast recht!—Ja ich will beten!
Er wird Hilf' und Trost verleihn;
Er kann schlagen, er kann retten,
Er kann strafen und verzeihn!
(Am Sessel niederknieend.)
Günther (ans Fenster tretend).
Es erhellet sich die Gegend,
Fackeln streifen durch das Feld.
Man verfolgt den Rest der Räuber,
Der sich hier verborgen hält.