Graf.
Nein, nicht doch! Hier will ich bleiben,
Hier in dieser heil'gen Halle:
Die des Knaben muntre Spiele,
Die des Jünglings bunte Träume,
Die des Mannes Taten sah,
Soll auch sehn des Greises Ende.
Hier, wo meiner Ahnen Geister
Mich mit leisem Flug umschweben,
Hier, wo von den hohen Wänden
Eine lange, würd'ge Reihe,
Die noch jetzt der Ruhm erhebt,
Niederschaut auf ihren Erben,
Wo die Väter einst gelebt,
Soll der letzte Enkel sterben!

(Boleslav tritt ein, von Wachen geführt.)

Boleslav (sich auf die Kniee niederwerfend).
Gnäd'ger Herr, ach habt Erbarmen!
Laßt mich Gnade, Gnade finden,
Sprecht für mich ein mächtig Wort!
Und zum Lohne will ich dann
Eine Kunde Euch erteilen,
Die schnell Euer Siechtum heilen,
Euch mit Lust erfüllen soll.

Graf.
Gibt's für mich gleich keine Kunde,
Die so mächtig wie du sprichst,
Doch versprach ich dir zur Stunde,
Hier in meines Freundes Geist,
Wenn's zum Guten was du weißt
Sollst du gnäd'ge Richter finden,
Gnädig auch bei schweren Sünden.

Boleslav.
Wohl so hört, ach, und verzeiht!
Einst, jetzt sind's wohl zwanzig Jahre,
Ging ich eines Sommerabends,
Damals schon auf schlimmen Wegen,
Hier an Euerm Schloß vorbei.
Wie ich lauernd ringsum spähe,
Da gewahr ich an dem Weiher,
Der an Eure Mauern stößt,
Einen schönen, holden Knaben,
Kaum drei Jahre mocht' er haben;
Der warf spielend Stein auf Stein
In die klare Flut hinein.

Günther.
Güt'ger Gott!

Graf.
Was werd ich hören!

Boleslav.
Schön und köstlich war sein Kleid,
Und um seinen weißen Nacken
Hing ein funkelndes Geschmeid.
Mich gelüstet nach der Beute.
Ringsum schau ich, nirgends Leute,
Ich und er nur ganz allein.
Ich versuch's ihn anzulocken,
Abzulocken ihn vom Schlosse,
Zeig ihm Blumen, zeig ihm Früchte,
Und der Knabe froh und heiter
Folgt mir weiter, immer weiter
Bei des Abends Dämmerschein
In den düstern Wald hinein.

Graf.
Ach es war, es war mein Sohn!

Günther.
Und wir glaubten ihn ertrunken,
In des Weihers Schlamm versunken,
Weil sein Hut im Wasser schwamm!