Graf.
Jubelst du in toller Lust,
Glaubst du, daß in Räubers Brust
Menschlichkeit und Mitleid wohnet?
Glaubst du, daß er ihn verschonet?

Boleslav.
Ja ich habe ihn verschont!
Morden wollten ihn die Brüder,
Daß nicht durch des Knaben Mund
Unsre Wege würden kund,
Doch ich setzte mich dawider.
Und als die Gefährten schwören,
Nimmer soll' er wiederkehren
Aus des Waldes Nacht heraus
In der Eltern heimisch Haus,
Da, Herr, dau'rte mich der Kleine,
Da ward Euer Sohn der meine.
Bald vergaß er Euch und sich,
Und er ehrt als Vater mich.

Graf.
Gott! Mein Sohn!—Er lebt! er lebt!
Aber wie?—Ha, unter Räubern!
Ist wohl gar?—Weh ist—

Boleslav (mit gesenkten Augen).
Was ich!

Graf.
Räuber?—Gott, er sagt nicht: Nein!
Schweigt erstarrt und sagt nicht: Nein!
Ha mein Sohn ein Räuber, Räuber!
Hätt' ihn doch dein schwarzer Mund
Tückisch Wassergrab verschlungen,
Besser, schien's mir gleich so hart,
Wär' sein Name nie erklungen,
Als mit Räuber jetzt gepaart.
Aber ach, was fluch ich ihm?
Gott, hab Dank für diesen Strahl!
Räuber! War's denn seine Wahl?
Bring ihn, Guter, bring ihn mir,
Auch für den Räuber dank ich dir!

Boleslav.
Er ist hier in Euerm Schlosse!

Graf.
Hier?—

Boleslav.
Ja, Herr, Euch unbekannt.
Jener Fremde der heut abend
Matt und bleich um Zuflucht bat—

Berta.
Jaromir?

Boleslav.
Derselbe, ja!