(Boleslav wird abgeführt.)
Graf.
Er geht fort, und sagt nicht: Nein!
So begrabt mich denn ihr Mauern,
Und Verwüstung brich herein,
Stürzet ein ihr festen Säulen,
Die der Erde Ball getragen,
Denn den Vater hat sein Sohn erschlagen!
(Zurücksinkend.)
Berta (aufs Lager hinstürzend).
Todespforte tu dich auf!
(—Pause.—Alle stehen in stummen Entsetzen.)
Graf.
Wie hab ich so oft geklagt,
Daß ein Sohn mir ward versagt,
Kampfgerecht und lehenbar,
Wie der Väter hohe Schar.
Seht des Schicksals giftigen Hohn!
Seht, ich habe einen Sohn,
Es erhielt ihn mild am Leben,
Mir den Todesstreich zu geben!
Wenn mein Aug' sich tränend netzte,
War die Klage ohne Not,
Väter, ich bin nicht der Letzte!
Noch lebt einer!—am Schafott!—
Was liegt dort zu meinen Füßen
Und blinkt mich so blutig an?
Günther (den Dolch aufhebend und hinhaltend). 's ist der Dolch, der Euch verwundet!
Graf.
Dieser war es? Dieser Dolch?
Ja du bist es, blutig Eisen,
Ja, du bist's, du bist dasselbe,
Das des Ahnherrn blinde Wut
Tauchte in der Gattin Blut.
Ich seh dich, und es wird helle,
Hell vor meinem trüben Blick.
Seht ihr mich verwundert an?
Das hat nicht mein Sohn getan!
Tiefverhüllte, finstre Mächte
Lenkten seine schwanke Rechte!
(Günthern anfassend.)