Wie war, Alter, deine Sage,
Von der Ahnfrau früher Schuld,
Von dem sündigen Geschlecht,
Das in Sünden ward geboren
Um in Sünden zu vergehn!
Seht ihr jenen blut'gen Punkt
Aus der grauen Väterwelt,
Glühendhell herüberblinken?
Seht, vom Vater zu dem Sohne
Und vom Enkel hin zum Enkel
Rollt er wachsend, wallend fort,
Und zuletzt zum Strom geschwollen,
Hin durch wildgesprengte Dämme,
Über Felder, über Fluren,
Menschendaseins, Menschenglücks
Leichtdahingeschwemmte Spuren,
Wälzt er seine Fluten her,
Uferlos, ein wildes Meer.
Ha, es steigt, es schwillt heran,
Des Gebäudes Fugen krachen,
Sinkend schwankt die Decke droben
Und ich fühle mich gehoben!
Tiefverhüllte Warnerin,
Sünd'ge Mutter sünd'ger Kinder,
Trittst du dräuend hin vor mich?
Triumphiere! Freue dich!
Bald, bald ist dein Stamm vernichtet;
Ist mein Sohn doch schon gerichtet!
Nimm denn auch dies Leben hin,
Es stirbt der letzte Borotin! (Sinkt sterbend zurück.)
Günther.
Gott! Es sprengen die Verbande!
Weh, er stirbt!
(Über ihn gebeugt, die Hand auf seine Brust gelegt, nach einer Pause.)
Er ist nicht mehr!—
Kalt und bleich sind diese Wangen,
Diese Brust hat ausgebebt.
Qualvoll ist er heimgegangen,
Qualvoll, so wie er gelebt.
Fahr denn wohl, du reine Seele,
Ach und deine Tugenden
Tragen dich wie lichte Engel,
Von der Erde Leiden los
In des Allerbarmers Schoß.
Schlummre bis zum Morgenrot,
Guter Herr, und was dies Leben,
Karg und hart, dir nicht gegeben,
Gebe freundlich dir der Tod!
(Er sinkt betend auf die Kniee nieder. Der Hauptmann und alle
Umstehenden entblößen die Häupter. Feierliche Stille.)
Hauptmann.
So, ihm ward der Andacht Zoll!
Und jetzt Freunde, auf, zu rächen
Das entsetzliche Verbrechen
Auf des blut'gen Mörders Haupt!
Günther.
Wie, Ihr wolltet?
Hauptmann.
Fort, mir nach!
(Ab mit seinen Leuten.)